Was mich am Pädagogik-Studiengang häufig so fasziniert, sind Themen welche Erwachsene betreffen. Find einfach meistens sehr interessant.
Auch aufgrund meines Studienschwerpunkts beschäftige ich mich sehr viel mit Familien- und Paarberatung, sowie systemischer Therapie. Durch einen entsprechenden Reader bin ich zwangsläufig ebenso auf Beiträge von Arnold Retzer gestoßen. Kennt ihn jmd.? Er ist auf jeden Fall ein Psychologe und einer der führenden Persönlichkeiten (Lehrtherapeut) in der systemischen Therapie.
Zwei Bücher muss ich mir (am besten schon morgen) unbedingt zulegen: „Systemische Paartherapie“ aus dem Klett-Cotta Verlag und das neue Werk „Lob der Vernunftehe – Eine Streitschrift für mehr Realismus in der Liebe“ (2009).
Einen Teil des erstgenannten Buches (S. 245-298) hab ich schon gelesen und bin wirklich begeistert.
Ich zitiere einen Teil, auch auf die Gefahr hin, dass es eine völlig verzerrte Sicht auf das Buch entstehen lässt. Denn eigentlich ist es wirklich wissenschaftlich und aus meiner Sicht fundiert geschrieben. Im entsprechenden Abschnitt geht es nun u.a. um S.ex. Retzer erklärt was Plus- und Minussymptome, quantitative und qualitative Erwartungsenttäuschungen in diesem Kontext darstellen. Spricht von wandelnden Normen, vom interaktionellen Kontext sexueller Symptomproduktion und stellt „politisch korrekte, respektvolle und ethisch einwandfreie Sexualität“ auf Grundlage von Zuschreibungen und Problemen infrage. Nach der Betrachtung „Sexualität als Mittel und Ziel – gleichzeitig“, Aussprache „als probates Mittel zur Erzeugung von sexuellen Schwierigkeiten“ und der Frage nach der Spontanität, beschreibt er differenziert entsprechende „therapeutische Konsequenzen“. Nur beginnt das Kapitel folgendermaßen..
Retzer hat geschrieben:„[…] Was sieht der außenstehende Beobachter, wenn er auf Tätigkeiten fokussiert, die er selbst oder andere als sexuelle bezeichnet? Wenn dieser außenstehende Beobachter ausschließlich beschreibt, also keinerlei Vorstellung darüber hat und deshalb diese Vorstellungen auch nicht in seine Beschreibungen einfließen lassen kann, wenn er also nicht weiß, was das Ganze bedeutet, kommt er vielleicht zu folgenden erklärungsbedürftigen Beschreibungen: Zwei Menschen – meist ohne viel störende Bekleidung – bearbeite sich irgendwie gegenseitig. Sie befingern sich – an manchen Stellen mehr, an anderen weniger -, führen prominente Körperteile in unterschiedlichste Öffnungen ein, wackeln hin und her, hyperventilieren, stöhnen, grimassieren … Manchmal reden die Beteiligten vorher, manchmal nachher, selten währenddessen. Von außen betrachtet, scheinen sich die Akteure irgendwie einig zu sein. Zumindest scheint es einer gewissen Kooperation zu bedürfen, um zu einer strukturellen Kopplung der Geschlechtsorgane zu gelangen. Zusammenfassend läßt sich das sexuelle Geschehen als eine ungewöhnliche und auf den ersten Blick unwahrscheinlich erscheinende Form der koordinierten Kooperation zweier (oder mehrerer) autonomer Lebewesen beschreiben. [...]“
(Retzer, Systemische Paartherapie (2004), III. Womit auch zu rechnen ist. S. 246)
Wünsch euch einen schönen Abend!