Vom 06.Feb. 2008
Also, ja, auch als nicht ausgebildete Pädagogin kann man Erziehungskonzepte kennen, einige davon gut finden und noch weniger davon anwenden.
Natürlich nicht mit einem sooo differenzierten, kritischen, analytischen und geschulten Blick wie Erzieherinnen und Pädagogikstudentinnen, aber immerhin, was halt so im Rahmen einer Giftmischerin möglich ist.
Ich bin also im Rahmen meiner Erziehungskonzepte eine große Freundin von Konsequenzen. Es gibt keine Strafen, sondern nur konsequente Folgen (was ist bitte schön die konsequente Folge auf das frischgeduschte Herumsitzen ohne Bademantel?), angekündigte Dinge werden konsequent befolgt (wenn Du jetzt nicht endlich anfängst, zu essen, dann räume ich es wieder weg – Eigentor, dafür hat das Kind dann in der Nacht Hunger), Regeln konsequent eingehalten (eine Inkonsequenzrate von 1:7 ist angeblich noch tolerierbar und wird vom Kind als noch authentisch wahrgenommen – also immer brav die Ausnahmen und die Regeln zählen…) und so weiter.
Das ist einerseits eine sehr gute Übung, um seine Emotionen zu disziplinieren, man überlegt sich, ob man das Eis am nächsten Tag streicht, weil das Kind nicht Zähne putzen will, weil man dann ja selber auch nicht in die Eisdiele kommt. Und nach dem dritten oder vierten Eigentor überlegt man es sich sogar BEVOR man redet und nicht erst währenddessen oder hinterher.
Andererseits – und das ist der eigentliche Grund für diesen Post – man verliert jede Spontaneität. Das Kind sagt oder tut etwas, das man konsequent verfolgen muss und wenn das nicht gerade eine Standardsituation darstellt, in der man ja immer gleich reagieren soll, um berechenbar und verlässlich zu sein, klappt man erstmal in Entrüstung die Kinnlade nach unten, dann stellt man den Denkapparat an und dann – 10 Sekunden oder auch 10 Minuten, je nach Komplexität des Vergehens und Intelligenz und Kreativität der Mutter später, kommt endlich die vom Kind bereits erwartete Reaktion. Naja – ziemlich mittelprächtig, würde ich sagen.
Und für das eigene Ich, das zumindest ab und an mal völlig unpädagogisch einfach nur ausrasten und sich an die Stirn hauen möchte, ist das auch eine sehr unbefriedigende Situation, was ich allein schon daran erkenne, dass ich hinterher meistens einen Knoten im Magen habe.
Da lobe ich mir doch die südländische Erziehung, beispielsweise mit viel „Mamma Mia“, zerschlagenem Porzellan, langen, blumigen Schimpftiraden und Verboten, die einfach ausgesprochen werden, weil man sich tieeeerisch geärgert hat. Ohne logischen Bezug (oder aber doch, weil es auf Zimmer aufräumen immer Eisverbot gibt).
Und eine Stunde später kann man sich wieder lachend in den Arm nehmen, weil man sich gegenseitig eben nicht nachhaltig die Laune mit dem erhobenen Zeigefinger, bzw. mit der verschnupften Reaktion auf selbigen verdorben hat. Und man kann auch mal fünf gerade sein lassen und trotzdem Eis essen gehen, weil eben die Sonne besonders schön scheint…
Fazit? Weiß ich selber nicht… Auf Grund von Kontinuität und Verlässlichkeit und auch weil mir das südländische Temperament so völlig fehlt und ich im Grunde eh eine Bürokratenseele bin, bleibt alles beim Alten.
Fast alles, denn Spielsachen wegpacken wegen unaufgeräumtem Zimmer war zwar wieder mal super logisch, aber trotzdem dämlich, weil das Kind sich dann nämlich langweilt und der armen Mutter noch mehr auf die Nerven geht…
In diesem Sinne, Grüßle, Sophina