von Sophina am Freitag 4. Juli 2008, 19:29
Vom 09. Mai 2007
Ich weiß gar nicht wie ich anfangen soll, das ist jetzt mein dritter Versuch, was "auf's Papier" zu bekommen.
Was soll ich sagen, wo bitte schön kann man diesen Elternführerschein nochmal machen? Ich streiche hier gerade die Segel und weiß nicht mehr weiter. Irgendwer muss mir helfen, sei's Elternführerschein, Super-Nanny, TripleP oder was weiß ich. (Im Zweifelsfall gerne auch eine der zaaaaahlreichen Pädagoginnen hier im Forum...)
Ich glaube, Louisa leidet an Größenwahn... Mal abgesehen davon, dass das ja schonmal der Grundstein für eine sehr erfolgreiche Diktatorenkarriere ist, komme ich für meinen Teil einfach nicht damit klar.
Zum einen, weil ich eigentlich eher ein Mensch bin, der zwar schon weiß, was er ist, kann und leistet, sich aber andererseits nicht so furchtbar wichtig nehmen muss, dass er davon einen Koller bekommt. Und zum anderen, weil es anstrengend ist, mit jemandem zusammenzuleben, der außer den normalen Dingen, die Vierjährige eben so können, nichts besonderes ist, kann oder leistet aber alleine aus der Tatsache seiner göttlichen Anwesenheit schon die Rechtfertigung zieht, angebetet werden zu wollen und alle anderen - das Fussvolk - herumkommandieren zu wollen.
Man kann ihr diesen Wesenszug, den sie ja ausführlich bei beiden Großelternpaaren und ihrem Vater nähergebracht bekommt, nicht übelnehmen. Man kann noch nicht mal den einen oder anderen Großeltern oder dem Vater übel nehmen, dass sie das Kind behandeln wie eine Göttin, sie sehen sie ja im Schnitt nur einen Tag pro Woche, noch dazu am Wochenende, wo man ja Zeit en masse hat und sich auf das Kind einstellen kann.
Klar, dann wird eben nicht eingekauft, wenn sie einkaufen nicht mag, wer muss schon essen? (Opa ist dann gegangen, während Oma mit ihr zu Hause blieb, eine Option, die ich nicht habe.) Ausflug in die Lochmühle, logisch, das ist kein besonderes Highlight, das kann man öfter mal machen, so für einen Nachmittag, kostet ja auch nur 10 Euro Eintritt pro Nase. Wie, das Kind hat keine Lust, Schuhe und Jacke auszuziehen? Dann komm mal her mein Schätzchen, der Papa macht das für Dich... Die Treppe bis in den dritten Stock alleine hoch laufen? Eine Zumutung! Warte, Dein Papa trägt Dich... Etc. Man kann sich ungefähr vorstellen, was ich meine. Und Urlaub machen wir dieses Jahr selbstverständlich auf einem Luxus-Sonstwas-Bauernhof, soll dem Kind ja Spaß machen und Geld spiel eh keine Rolle, sprach der Opa. (Ihren "eigenen" Urlaub holen sie dann übringens nochmal nach, in irgendeinem Kurort mit Wellnessanwendungen und so weiter, schließlich muss man ja auch mal was für sich tun)
Was ich damit sagen will: Für diese ganzen Menschen ist Louisa ein Highlight... So wie andere Menschen sich auf ihre Freizeit freuen, Essen gehen, Kino vielleicht, so freuen die sich alle auf Louisa und machen dementsprechendes Brimborium. Immerhin im Schnitt zwei Tage pro Woche.
Und mit dieser geballten sowohl finanziellen als auch "emotionalen" Aufmerksamkeit kommt Louisa dann wieder zu mir zurück. Zu ihrer egoistischen Rabenmutter mit Steinherz. Für die Kind eben Alltag ist. Natürlich mit Liebe und natürlich schöner Alltag, aber Alltag. Genauso wie kochen, waschen, bügeln, einkaufen, arbeiten gehen, etc. Das, was ihr alle kennt.
Das Ende vom Lied ist natürlich, dass wir dauernd aneinanderrasseln. Sie kann nicht verstehen, dass man einkaufen muss, weil sonst der Kühlschrank leer ist und ich sehe nicht ein, das in der wenigen Zeit zu tun, die ich für mich habe, wenn sie nicht da ist. Genauso, wie ich auf einem halbwegs strukturierten Tag bestehen muss, eben wegen der ganzen Dinge, die es sonst noch gibt. Dazu gehört alleine anziehen und das auch noch in einer Zeit, die deutlich unter einen halben Stunde liegt. Und Geld wie Heu habe ich auch nicht, da ich eben nur eine dreiviertel Stelle arbeite und noch dazu alleinerziehend (und ernährend) bin. Da heißt "bummeln gehen" eben nicht, mit vier vollen Einkaufstüten zurückkommen. Sogar am Wochenende will ich nicht ausschließlich das tun, worauf Louisa Lust hat, sondern bestehe auf seltsamen Kompromissen, dass jeder was davon hat.
Und ihre Reaktion? Zicken, nörgeln, heulen, schreien, motzen, quengeln, jammern... Hab' ich irgendwas vergessen? Und das annähernd durchgängig.
Natürlich bleibe ich konsequent, verlange Dinge von ihr zu tun, die sie tun kann, bin für sie, aber auch für mich da und schaue, dass ich einen Weg zwischen Wünschen und Finanzen finde.
Aber es macht mir keinen Spaß mehr. Ich bin seit Monaten nicht mehr Mutter, sondern nur noch Erziehungsmaschine. Ich denke mit Grauen daran, sie mogens wecken zu müssen und atme auf, wenn sie abends im Bett liegt. Dazwischen gibt es dann Kampf und Krieg auf tausend Schauplätzen gleichzeitig. Sekundenweise gelingt mal die Deeskalation und wir haben Frieden mit- und Gefühle füreinander, aber schon einen Fingerschnipp später geht es wieder los, weil in ihren Augen jemand mal wieder ihre Rechte als Göttin verletzt hat. Ich bin total leer und ohne Perspektive, habe wieder mal meine obligatorischen Magenschmerzen und heule rum. Es kann doch nicht sein, dass die nächsten 15 Jahre meines Lebens aus Kampf bestehen sollen? Das kann ich nicht durchhalten. Das kann ich nicht schaffen und das will ich auch nicht schaffen.
Und wenn ich dann auch noch lese, dass Kinder Geschwister brauchen, um gegen die Allmacht der Eltern eine Chance zu haben, dann kann ich nur noch sarkastisch auflachen...
Danke für's lesen und Grüßle, Sophina
Tags: Diktatorenkarriere • Rabenmutterherz
Grüßle, Sophina"Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer." ~ Sokrates, Philosoph, 470-399 v.Chr ~
7 Kommentare
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von Sophina am Freitag 4. Juli 2008, 19:31
lunavi hat mir zu Aufmunterung geschrieben:Hallo Sophina!
Willkommen im Club der verzweifelten Mütter!!
Ach tut das gut zu lesen, dass es anderen Müttern ebenso geht. Die Mäuse können inen einerseits zur Weisglut treiben, aber dann könnte man sie für ihr einzigartiges Lächeln und niedliche Sprüche nur noch knuddeln. Ich kann Dich echt gut verstehen. Es ist nicht einfach. Schon gar nicht als alleinerziehende Mutter. Wenn ich richtig gelesen habe, bist Du auch ohne Mann, gell? Kann natürlich auch von Vorteil sein. Man muss sich jedenfalls nicht mehr für alles rechtfertigen und ohne Zoff und Streit geht es einem allemal besser. Aber wenn man so alleine mit Kind ist, ist man schon mal schnell überfordert. Man kann nicht einfach mal sagen: Bring Du die Kleine heute bitte ins Bett, mir geht es nicht gut.
Aber ich denke wir können auch stolz auf uns sein. Stolz dass wir es alleine doch irgendwie schaffen, dass wir stark sind und uns nicht unterkriegen lassen. In diesem Sinne schicke ich Dir weiterhin gaaaanz viel Kraft und positive Gedanken 
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von Sophina am Freitag 4. Juli 2008, 19:32
Und meine Antwort darauf:
Hallo Lunavi,
wahrscheinlich ist wirklich das einzige, das hilft, zu sehen, dass andere Mütter in ähnlicher Situation sind, deshalb danke für Dein "outing", dass es Dir mit Deiner Tochter auch oft genug genauso geht. Wenn mir das noch 100 Eltern sagen, dann glaube ich es vielleicht, haha.
Das mit dem lächelnd um den Finger wickeln klappt allerdings nicht mehr ganz so gut bei mir in letzter Zeit, ich fürchte, dazu bin ich mittlerweile dann doch etwas zu frustriert.
Zum Thema "alleinerziehend", alles hat wie üblich zwei Seiten. Ich war eigentlich von Anfang an "alleinerziehend", denn Louisas Vater zeigte überhaupt keine Aktivitäten seiner Tochter gegenüber, es sei denn, es war Besuch zugegen und er konnte als Überpapi glänzen, aber gerade da hätte ich seltenst Untestützung durch ihn bei Louisa gebraucht, sondern vielleicht eher dabei, die Gäste zu bewirten und so weiter.
Von daher ist mein Leben eigentlich einfacher geworden, seit wir ausgezogen sind - böse gesagt, ein Kind weniger, um das ich mich kümmern muss.
Erziehungsstreitigkeiten gab' es auch damals schon keine, wie gesagt, das personifizierte Desinteresse. Aber ich denke, ich würde gerne diese Diskussionen auf mich nehmen und dafür einen Partner haben, der zum einen für mich da ist, mir gut tut und zum anderen mir einen Teil mit meiner Tochter abnimmt. Aber wie man es auch dreht, der ersten Teil - also dass jemand für mich da ist - kann ja noch funktionieren, aber dass jemand Louisa quasi wie ein zweiter Vater gegenübersteht, mit gewissen Rechten und Motivation für Pflichten, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Weder würde ich das wollen, noch gibt es wohl einen Mann, der das will. Also bleibt's bei "alleinerziehend".
Nochmal danke für's trösten, Grüßle, Sophina
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von Sophina am Freitag 4. Juli 2008, 19:33
befanas Kommentar:Gibt es so einen Menschen? Ich glaube, der muss erst gebacken werden. Diskussionen um Erziehung hatten wir auch nie. Mein Mann meinte immer: "Du machst das schon!" Dabei hätte ich mir öfter mal Streit um meine Ansichten gewünscht. (Natürlich erst, wenn der Sohn im Bett gewesen wäre) So war mir mein Sohn hilflos ausgeliefert. 
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von Sophina am Freitag 4. Juli 2008, 19:34
Und Musi nun wieder:Und noch eine "erfahrene" Muttermeinung aus einer "verfahrenen" Situation:
1.) Es kommt noch schlimmer!
2.) Ehepartner sind wohl eher selten Erziehungspartner, sondern eher Teilnehmer einer Interessenskonfliktsituation, die selten pädagogisch, häufig eher nach eigener Lust und Laune entschieden wird.
3.) Es scheint irgendwann vorbeizugehen. Den Zeitpunkt vermag ich allerdings noch nicht abzuschätzen...
Trostgrüße am Morgen von der Musimutter (auch eher alleinerziehend - aber ab jetzt wenigstens kein W.P. mehr !)
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von Sophina am Freitag 4. Juli 2008, 19:35
Nochmal von mir:
@ all Claudia, Du solltest die Seite umbenennen in Männerhasser-Forum oder so, grins. (Nein, war natürlich nicht ernst gemeint...)
@befana Sei doch nicht so gruselig nett - Dein Sohn war Dir hilflos ausgeliefert?? Von der Seite habe ich es noch nie-nie-nie gesehen, wahrscheinlich deshalb, weil ich die ganze Zeit darüber nachdenke, wie ich mich selber aus dem hilflos ausgeliefert sein meiner Tochter gegenüber wieder herauswinden kann, hihi.
Ansonsten - DOCH, es gibt schon diese Partner, die sich einerseits für Mutter und andererseits für Kind interessieren, lass mich mal nachdenken, mir fallen jetzt auf Anhieb vier Männer ein (mit Kindern in Louisas Alter), die sowohl eine "Erziehungsidee" haben und sich sowohl theoretisch als auch praktisch an der Aufzucht beteiligen, als auch eine "reale" Ehe führen. Scheint in meiner Generation tatsächlich ein wenig häufiger zu sein als damals. Hätte man nur damals halt auch finden müssen, als es an die Paarungsphase ging... Oder seufz - äußerst vermessene Hoffnung - vielleicht läuft mir ja jetzt noch so ein Exemplar über den Weg??
@musi 1.) Das will ich gar nicht hören - dumdidum, Hände über den Ohren und laut singen.
2.) So hab' ich das auch erlebt, Ex-Gatte und ich hatten allenfalls mal Streit um Louisa, wenn er sich in seiner persönlichen Freiheit eingeschränkt sah oder ihm etwas an ihrem Verhalten nicht gepasst hat (so wie das einemal, als er uns nicht zur Sommerfeier seiner Kollegen mitgenommen hat, weil Louisa eineinhalb und niedlich aber auch in einer fiesen Trotzphase war - DAS werde ich ihm nie verzeihen können und wenn ich 100 Jahre alt werde)
3.) Das sagen alle Eltern, irgendwann scheint es tatsächlich vorbeizusein. Man muss also auf diesen Zeitpunkt warten und schauen, dass man die Zeit zwischendurch halbwegs gut vorbei bekommt. Aber mal ehrlich - selbst wenn man den Sarkasmus jetzt abzieht - haben wir DESHALB Kinder bekommen? Um darauf zu warten, dass es endlich vorbei ist??
4.) Was ist ein W.P.?
Grüßle, Sophina
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von Sophina am Freitag 4. Juli 2008, 19:36
Musi nochmal:Guten Morgen, Sophina!
Ui, da wird mein Sarkasmus gepaart mit Widerspruchslust aber gekitzelt - hoffentlich zu Deinem Vergnügen !
Ich weiß nicht, warum Du ein Kind bekommen hast... ich bin halt einfach schwanger geworden. Ein Kind hatte ich nicht wirklich im Wunschprogramm, zwei auch nicht. Aber ich hatte auch nichts dagegen! Obwohl sie nun schon länger einen großen Teil meines Daseins mitgestalten, mein Denken, meine Zeit, meinen Raum und mein Geld beanspruchen, sind sie nicht mein einziges Sehnen und Trachten, nicht der einzige Inhalt meines Lebens. Sie sind da, das reicht, sie müssen aber nicht den Sinn meines Lebens ausmachen. Das schaffe ich gut alleine... (mein Mann und ich verstehen uns tatsächlich prima ohne unsere Kinder, hätten sicherlich auch ganz gut ein "double income no kids"-Paar abgeben können)
Komisch, früher, als der Kaiser nen Bart hatte und die Butter goldgelb war, war das auch so. Kinder kamen, machten Arbeit und aus der jungen Frau eine Mutter, später eine Großmutter und obwohl sie den Sinn der menschlichen Existenz bedeuteten, wurden sie damit nicht so überladen, eben nicht als Krönung der eigenen Existenz betrachtet. Die Frage nach dem "...wozu...", die gab es nicht!
Allerdings möchte ich weder Dir noch jemand anderem dieses "moderne" Denken unterstellen und ich möchte mich auch nicht selber zur Rabenmutter abstempeln. Ich übe mich mit schwankendem Erfolg einfach nur in Gelassenheit...
... und je gelassener ich bin, desto dankbarer und normaler verhalten sich meine Kinder!Lass´ Dir ein schönes Wochenende wünschen für Deine wirklich pfiffig dreinschauenede Louisa und für Dich! Musi (endlich Krabbeltiger )
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von Sophina am Freitag 4. Juli 2008, 19:37
Und dann konnte ich wieder nicht den Mund halten:
Hallo Musi,
komisch... Eigentlich bin ich alles andere als ein "Muttertier", das ihren Selbstzweck in der möglichst selbstlosen Aufzucht ihres Nachwuchses sieht.
Ich bin zuallererst mal Mensch, und dann noch ganz viele andere Dinge - Kollegin, Freundin, Forenschreiberin *grins*, lyrikbegeistert, Leseratte, Cineastin, etc. Und ich glaube, ich habe seit 25 Jahren keine Langeweile mehr verspürt. Ich brauche meine Tochter nicht, um mein Lebens auszufüllen oder lebenswert zu machen, auch wenn sie natürlich schon Zeit, Gefühle und Geld "kostet".
Aber ich bin nicht "einfach so" schwanger geworden, sondern habe vorher und nachher konsequent verhütet und Louisa sehnsüchtig erwartet. Als Teil meines Lebens und als ein sehr willkommener Teil. Und mich darauf gefreut, neben all dem, was ich oben geschrieben habe, auch noch Mutter zu sein. Ich sehe sie durchaus als eigenen Mensch, nicht als mein "Töchterchen-Püppchen", aber genauso wie ich ab und an über meine Chefin, meine Freunde und all' die anderen Menschen enttäuscht bin - je nach Wichtigkeit und Nähe zu meinem Herzen mehr oder weniger - so bin ich eben ab und an auch sehr am Hadern in meiner Beziehung zu Louisa...
Den Rest kennst Du ja - das Leben geht weiter, jeden Tag einen Schritt...
Grüßle, Sophina
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