Vom 09. Aug. 2007
Mein momentanes „Problemchen“ hat nur sehr eingeschränkt etwas mit Kindern zu tun, nämlich mit dem fehlen selbiger. Bzw. mit dem Fehlen des Kindes, das mich normalerweise nachts und weite Strecken des Tages begleitet, meiner Tochter.
Was soll ich sagen, hunderttausende von Menschen haben keine Kinder, entweder noch nicht, oder aber prinzipiell nicht. Und diese Menschen leben?!?! Sie leben tatsächlich! Mir persönlich ist die Situation in der ich mich befinde, völlig neu. Nicht, dass ich schon immer ein Kind gehabt hätte, nein, das ist erst im Alter von 30 Jahren zu mir gestoßen, aber nein, ich habe tatsächlich noch nie völlig alleine gelebt.
Erst bei meinen Eltern, dann 10 Jahre lang mit meinem Mann (und später mit Mann und Kind) zusammen. Und nach meiner Trennung war immerhin Louisa da. Letztes Jahr war sie zwar auch schon in den Sommerferien bei ihrem Vater, aber erstens war das nur eine klitzekleine Woche, nicht so wie dieses Mal zwei unendlich lange, furchteinflößende Wochen voller Zeitanhäufung, die drohend über meinem Haupt schweben und zweitens war ich da in Urlaub und dann ist ja bekanntlich alles anders als zu Hause.
Was ich eigentlich sagen will: Ich habe so viel Zeit und niemanden, dem ich sie widmen kann/darf/muss, außer MIR… Diesen Zustand habe ich mir schon sehr gewünscht, aber jetzt wo er da ist, fühlt er sich schon sehr seltsam an.
Der Tag hat keine Struktur mehr – nach dem KiGa Kaffee trinken, den Nachmittag über mehr oder weniger Animationsprogramm, Besorgungen oder Hausarbeit, ab 18 Uhr dann Abendessen mit anschließendem Sandmännchenhighlight. Dann das Kind ins Bett, noch bissel was kruscheln und DANN endlich Freizeit.
Tja, und jetzt gibt es keine Struktur mehr – man kann mittags um zwei Uhr Freizeit haben und nachts um eins die Wohnung putzen. Man kann tagsüber bügeln (was ich normalerweise wegen Restangstgefühlen aus Babyzeiten vermeide) und dafür abends joggen gehen. Ich glaube, für diese Freiheit bin ich irgendwie noch nicht erwachsen genug…
Und außerdem, das Animationsprogramm für Töchterlein fehlt und ich habe so viel freie Zeit, dass ich tatsächlich eine Stunde lang mit Buch in der Badewanne rumliege (wie kann man es eigentlich schaffen, dass die Seiten trocken bleiben?)
Und leider muss ich feststellen, dass ich auch nicht mehr erledigt bekomme als die ganze Zeit sonst, denn irgendwie bin ich nur noch unterwegs… Keinen Abend mehr zu Hause?? Schön wäre es, wenn’s nur die Abende wären. Ich komme nach der Arbeit heim, werfe meine Tasche in die Ecke, pinsel noch bissel Farbe nach und dann geht’s auch schon los. Ich bin unendlich vergnügungssüchtig… Und schäme mich nur ganz offiziell dafür, im tiefsten Herzen genieße ich’s gerade wie verrückt…
Tja, nur leider ist es so, dass in meinem Hinterkopf (und leider auch ganz real auf meinem Schreibtisch) eine ellenlange „to-do“-Liste liegt, von der ich dachte, dass ich sie im Urlaub ganz locker abgeackert bekomme – haha, zwei klitzekleine Pünktchen konnte ich bisher streichen… Mann, wo soll das noch hinführen?
Wird wirklich Zeit, dass Louisa nach Hause kommt und endlich wieder Zucht und Ordnung an die Stelle von Sodom und Gomorrha tritt.