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Wie wichtig ist Abschied für Kinder?

Beitragvon befana am Donnerstag 13. September 2007, 19:17

Guten Abend Lanie,
in einem andern Beitrag habe ich gerade gelesen, dass eine Erzieherin aufhört zu arbeiten, ohne sich bewusst von den Kindern zu verabschieden.
Kinder werden in irgendeiner Form fast täglich mit Abschied konfrontiert.
Eltern, die sich morgens verabschieden, Praktikanten die Wechseln, Kinder, die die Gruppe verlassen etc.
Häufig höre ich: "Ach, das merken die doch nicht!"
Ich denke aber, dass es für die Kinder sehr wichtig ist, sich bewusst zu verabschieden.
Aber leider habe ich im Netz oder in meiner Literatur nirgends Informationen über die Bedeutung von bewusstem Abschiednehmen gefunden.
Da die Frage für mich schon öfter aufgetaucht ist, wäre es schön, darüber mehr zu erfahren.
Lieben Gruss
befana

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Beitragvon Linda40 am Donnerstag 13. September 2007, 19:31

Liebe Befana, :D

ich habe zwar auch keine Infos dazu, möchte meine Meinung dazu aber äußern. :wink:

Ich finde, das Abschied nehmen sehr wichtig ist und im Leben werden wir und auch die Kinder immer wieder damit konfrontiert. :roll:

Liebe Grüße
Linda :D
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Beitragvon Lanie am Sonntag 23. September 2007, 17:19

Hallo befana,

mit weiterführenden Links kann ich leider momentan auch nicht dienen.
Mich hat der Beitrag, den Du erwähnst, aber auch stutzig gemacht und ich finde es schon alleine intuitiv nicht richtig, wenn Bezugspersonen - und solche sind ja auch Erzieher meistens, wenigstens für einige der Gruppenkinder - ohne Abschied aus dem Leben der Kinder verschwinden.
Sicher kommt es immer sehr stark darauf an, wie nah die Verbindung zwischen dem Erwachsenen und dem Kind war. So will ich nicht ausschließen, dass es auch Fälle gibt, wo große Abschiede und Erklärungen unnötig sind. Aber gerade bei engeren Beziehungen, die Bindungen gleichen, sind Abschiede wichtig, obwohl sie gerade dann auch schmerzhaft sind. Mancher will vielleicht sich und dem Kind die unangehmen Emotionen ersparen, mit denen man bei der "Zeremonie" konfrontiert wird. Für Kinder, die später emotional und sozial kompetent handeln sollen, ist es aber wichtig, auch negative Gefühle selbst zu erfahren und damit umgehen zu lernen und zu wissen, dass man auch solche Gefühle haben und zeigen darf. Der andere Aspekt ist, dass Kinder, die eine Bindungsperson abschiedslos verlieren, unsicher werden können, weil sie den Eindruck bekommen, dass jederzeit irgendeine wichtige Person aus ihrem Leben verschwinden könnte, ohne dass sie es zuvor erfahren haben. Zukünftig haben sie dann vielleicht verstärkte Ängste, ihre wichtigsten Bindungspersonen aus den Augen zu lassen oder "beschließen" (natürlich nicht auf eine bewusste Art und Weise) sogar, sich lieber gar nicht mehr so fest an andere Menschen zu binden, um nicht so leiden zu müssen, wenn diese sie auch unerwartet verlassen sollten. Wahrscheinlich ist die Gefahr für eine solche Entwicklung nicht allzu groß, wenn sich einmalig eine Erzieherin nicht verabschiedet, jedoch sind Kinder ja sehr individuell, so dass man nicht ausschließen kann, dass es auf das eine oder andere sensible Kind doch weitreichendere emotionale Auswirkungen hat, zumal wenn sich solche Erfahrungen häufen.
Ein angemessener Abschied lehrt, dass auch negative Gefühle wie Traurigkeit oder Wehmut in etwas Positives verwandelt werden können und dass man sie nicht alleine hat und nicht alleine damit klarkommen muss, sondern dass beide Partner leiden, weil jeder den anderen lieb gewonnen hatte. Es kann ja auch ein gutes Gefühl sein, zu wissen, dass man dem anderen wichtig genug war, so dass er nun traurig ist, den anderen zu verlieren.
Insgesamt plädiere ich für einen der vorherigen Bindung angemessen Abschied - weder übertrieben noch gefühlsverleugnend :wink:

Falls ich zu dem Thema noch etwas Wissenschaftliches finden sollte, werde ich es gerne ergänzen.

Viele Grüße,
Lanie
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Beitragvon befana am Sonntag 23. September 2007, 17:30

Danke Lanie,
dein Beitrag bestätigt das, was ich mir schon dachte.
Auch wenn es kein Link war, hast du mir sehr geholfen.
Lieben Gruss
befana

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Beitragvon weidenkatz am Samstag 29. März 2008, 11:43

Hi Ihr alle,

zwei Sachen sind mir noch eingefallen.

Das eine geht in die Richtung wie Lanies Beitrag: Abschiednehmen von den Eltern bei der Eingewöhnung. Da will man auch nicht, dass sich die Eltern rausschleichen. Weil das Vertrauen, die sichere Bindung nicht zerstört werden soll.

Und meiner Meinung nach kann ein Bezugspersonenwechsel auch als ein kritisches Lebensereignis für ein Kind sein bzw. als (kleiner) Übergang/Transition gesehen werden, ist also grundsätzlich vergleichbar mit einem Wechsel der Einrichtung (nur eben kleiner). Deshalb würde ich mal schauen, was die Begründungen für das Zelebrieren des Abschieds von der alten Einrichtung sind, dass man ihn begehen soll wird ja überall empfohlen (z.B. BEP. Dort wird als weitere Literatur zum Thema Übergänge Griebel, W. & Niesel, R. (2004). Transitionen. Fähigkeiten von Kindern in Tageseinrichtungen fördern, Veränderungen erfolgreich zu bewältigen. Weinheim: Beltz.
genannt, kenn ich aber nicht).

Wenn man es als Übergang sieht, kann man ja überlegen, was noch sinnvoll ist, um ihn zu erleichtern.

Ich persönlich finde aber auch, man sollte in der Zeit vor dem Abschied schon versuchen, den Bezugskindern dieser Person zu zeigen, dass man sie nicht alleine lässt, sondern andere vertrauenswürdige Personen da sind, dass diese vermehrt Situationen schaffen, in denen sich eine persönlichere Beziehung aufbauen kann.

Und den Kindern nach dem Weggang auch zeigen, dass sie darüber reden können. Von sich aus können sie das vielleicht gar nicht so benennen. Vielleicht ein Photo von der Person aufhängen, wenn möglich in Kontakt bleiben und den Kindern erzählen, was sie jetzt macht, evtl. Besuche organisieren.

Wir haben bald einen Wechsel anstehen, deshalb finde ich es interessant, was Ihr in der Hinsicht so macht und was Ihr sinnvoll findet.

LG
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Beitragvon Franka am Samstag 29. März 2008, 15:54

Ich hätte da einen Link, allerdings zum Thema "Abschied von der Tagesmutter", aber vielleicht hilft das trotzdem weiter?

Abschied von der Tagesmutter


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