Theorie, Berufsalltag und was wo anders nicht hin passt
(Für alle User offen.)

Moderator: Muchai

Forumsregeln
Willkommen im Unterforum Diverses!
Bitte unsere Nutzungsbedingungen, die Datenschutzrichtlinie und das Impressum beachten.
Hinweise zur Bedienung sind bei der BBCode-Anleitung und den häufig gestellten Fragen zu finden.
Bei weiteren Fragen bitte an einen Admin wenden.

TV: Eltern als Lehrer / Homeschooling

Beitragvon engelein10 am Dienstag 18. September 2007, 05:26

Hallo!

Hat jemand gestern abend auf Sat.1 Focus TV gesehen?
Da lief ein Bericht über Eltern als Lehrer, Befürworter des Zuhauseunterrichts.
Es wurde über zwei Familien berichtet. Die eine ist mit ihren 4 Kindern nach Österreich ausgewandert und die anderen sind noch vor Gericht, damit sie ihre Kinder zu Hause selbst unterrichten können.
Deutschland und Kroatien sind die einzigen beiden EU-Länder mit Schulpflicht.

War sehr interessant.
Gruß Vanny

--------------------
Spiel ist gewissermaßen der Hauptberuf eines jeden Kindes, das dabei ist, die Welt um sich herum, sich selbst, Geschehnisse und Erlebnisse im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen.
- Armin Krenz -

Nichts ist höher zu schätzen als der Wert des Tages!
- Goethe -

Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt!
- L. Wittgenstein -
Benutzeravatar
engelein10
Forenmitglied
 
Beiträge: 2510
Registriert: 14.08.2007
Alter: 33
Tätigkeit: Erzieherin
Geschlecht: weiblich
Land: Deutschland
Berufsabschlüsse: staatlich anerkannte Erzieherin
Fortbildung "Fachkraft für pädagogische Frühförderung"


Beitragvon Muchai am Dienstag 18. September 2007, 14:54

Hallo Vanessa,

nein, ich habe die Reportage nicht gesehen.
vanessa hat geschrieben:Deutschland und Kroatien sind die einzigen beiden EU-Länder mit Schulpflicht.

Das war mir so nicht bewusst, auch wenn ich den Begriff der Schulpflicht ein wenig irreführend finde. Eine Bildungspflicht gibt es nämlich schon. (Daß in Österreich außerschulisches Lernen möglich ist, überrascht noch mehr).
Ich habe vor einiger Zeit im Spiegel einen interessanten Artikel über die wachsende Zahl der Kinder in Frankreichs, die zuhause unterrichtet werden, gelesen.

Das wäre doch für Deutschland, wo allen politischen Lippenbekenntnissen zum Trotz gerne an der Bildung gespart wird, auch eine Möglichkeit...
Okay, das war ein wenig polemisch, aber ich kenne mich da zu wenig aus, um bei diesem Thema fundiert mitreden zu können.

Gruß vom
Muchai
Benutzeravatar
Muchai
*** Admin ***
 
Beiträge: 6111
Registriert: 24.02.2007
Tätigkeit: Erzieher i.R.
Land: Deutschland

Beitragvon engelein10 am Dienstag 18. September 2007, 15:37

@Muchai

In allen anderen Ländern ist das Lernen zu Hause erlaubt. In Österreich gibt es alle halbe Jahr Tests für die Kinder die zu Hause unterrichtet werden und noch zu Grundschule gehen würden. Die müssen dann einen Tag in die Schule und werden geprüft, danach bekommen sie ein Zeugnis. Die Eltern müssen sich auch an den Lehrplan halten und ein Lerntagebuch führen.
Und die Kinder auf weiterführenden Schule müssen ihre Berichte und Aufgaben an eine bestimmte Stelle schicken. Dort werden die Kontrolliert und benotet. Praktisch wie eine Fernschule.
Stimmen die Leistungen nicht, dann müssen die Kinder allerding zur Schule gehen. Das ist dort gesetzlich geregelt.

Aber in Kroatien und Deutschland ist das Unterrichten von zuhause nur in seltenen Fällen erlaubt, zum Beispiel für die Band Tokio Hotel!
Gruß Vanny

--------------------
Spiel ist gewissermaßen der Hauptberuf eines jeden Kindes, das dabei ist, die Welt um sich herum, sich selbst, Geschehnisse und Erlebnisse im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen.
- Armin Krenz -

Nichts ist höher zu schätzen als der Wert des Tages!
- Goethe -

Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt!
- L. Wittgenstein -
Benutzeravatar
engelein10
Forenmitglied
 
Beiträge: 2510
Registriert: 14.08.2007
Alter: 33
Tätigkeit: Erzieherin
Geschlecht: weiblich
Land: Deutschland
Berufsabschlüsse: staatlich anerkannte Erzieherin
Fortbildung "Fachkraft für pädagogische Frühförderung"

Beitragvon Muchai am Dienstag 18. September 2007, 16:20

vanessa hat geschrieben:Aber in Kroatien und Deutschland ist das Unterrichten von zuhause nur in seltenen Fällen erlaubt, zum Beispiel für die Band Tokio Hotel!

Das ist natürlich ein populäres Beispiel (die Magdeburger Schule könnte sich wohl vor Fanstürmen auch nicht retten), Schaustellerkinder dürften auch zu diesen Ausnahmen gehören...
Benutzeravatar
Muchai
*** Admin ***
 
Beiträge: 6111
Registriert: 24.02.2007
Tätigkeit: Erzieher i.R.
Land: Deutschland

Beitragvon befana am Dienstag 18. September 2007, 18:03

Wiedermal ein Thema, wo ich nicht weiss, was ich gut finde.
Einerseits bin ich der Meinung, dass Eltern sich viele Gedanken machen, weil sie das Beste für ihr Kind wollen, andererseits glaube ich, dass es Eltern gibt, die ihre Kinder z.B. aus religiösen Kindern nicht in die Schule geben wollen.
Diese Kinder sind durch die einseitige Erziehung nicht in der Lage, sich selbst ein Bild zu machen.
Ein weiterer Nachteil ist, dass diese Kinder nicht lernen, sich in der Gruppe zu orientieren und je nachdem, wie sehr sie von den Eltern abgeschottet werden, auch sonst keine sozialen Kontakte haben.
Aber da ich insgesamt zu wenig Informationen habe, sehe ich es vermutlich auch zu einseitig.
Vielleicht ist der Prozentsatz dieser Fälle sehr gering ist und es sind eher Eltern, die mit dem Schulsystem Probleme haben.
Auch das ist verständlich, wenn man sich unser Bildungssystem, die Klassengrössen und das mangelnde Wissen der Lehrer über Verhaltensauffälligkeiten und Lernstörungen etc. ansieht.
Lieben Gruss
befana

1. Hilf mir, es selbst zu tun (Maria Montessori)

2. Ich suche das Kind in mir (von mir)
Benutzeravatar
befana
*** Admin ***
 
Beiträge: 12525
Registriert: 19.01.2007
Wohnort: Berlin
Alter: 60
Tätigkeit: Erzieherin
Geschlecht: weiblich
Land: Deutschland
Berufsabschlüsse: staatl. anerk. Erzieherin
Vorklassenleiterin
Zusatzqualifikationen: Montessori

Beitragvon engelein10 am Dienstag 18. September 2007, 18:11

Hallo!!

Genau diese Punkte wurden gestern in dem Beitrag angesprochen.
Die eine Familie erklärte den Kindern alles aus kirchlicher Sicht. Sie haben ihren Kindern auch die Revolutionsgeschichte und so erzählt, aber diese fand das Mädchen albern. Die glaubte nur an die Kirchensicht.

Bei beiden Familien hat man so gut wie nicht gesehen, dass die Kinder Freunde haben. Die eine Familie berichtete zwar, dass die Kinder zum Fußball und zum Chor gehen und hin und wieder mit den Kindern aus der Nachbarschaft spielen. Aber Bilder dazu hab ich keine gesehen.

Ich finde aber auch, dass die Eltern den Kindern nur das beibringen können, was sie selber können. Das eine Mädchen musste Englisch über CD lernen. Ob das so gut klappt?!? Es kann ja keiner kontrollieren.
Gruß Vanny

--------------------
Spiel ist gewissermaßen der Hauptberuf eines jeden Kindes, das dabei ist, die Welt um sich herum, sich selbst, Geschehnisse und Erlebnisse im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen.
- Armin Krenz -

Nichts ist höher zu schätzen als der Wert des Tages!
- Goethe -

Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt!
- L. Wittgenstein -
Benutzeravatar
engelein10
Forenmitglied
 
Beiträge: 2510
Registriert: 14.08.2007
Alter: 33
Tätigkeit: Erzieherin
Geschlecht: weiblich
Land: Deutschland
Berufsabschlüsse: staatlich anerkannte Erzieherin
Fortbildung "Fachkraft für pädagogische Frühförderung"

Beitragvon befana am Dienstag 18. September 2007, 19:09

Ich finde aber auch, dass die Eltern den Kindern nur das beibringen können, was sie selber können. Das eine Mädchen musste Englisch über CD lernen. Ob das so gut klappt?!? Es kann ja keiner kontrollieren.

Darin sehe ich nicht unbedingt das Problem.
Zum einen wird der Lernfortschritt regelmässig kontrolliert, zum anderen glaube ich, dass man auch mit seinen Kindern mitlernen kann.
Und mal ganz ehrlich, ich habe in einem Jahr Eigenregie intensiver Englisch gelernt als in 6 Jahren Schulenglisch.
Eine Bekannte von mir hat sich für die Ausbildung zur Dolmetscherin beworben und Englisch auch nur über CD und PC gelernt. Sie hat die Aufnahmeprüfung geschafft.
Lieben Gruss
befana

1. Hilf mir, es selbst zu tun (Maria Montessori)

2. Ich suche das Kind in mir (von mir)
Benutzeravatar
befana
*** Admin ***
 
Beiträge: 12525
Registriert: 19.01.2007
Wohnort: Berlin
Alter: 60
Tätigkeit: Erzieherin
Geschlecht: weiblich
Land: Deutschland
Berufsabschlüsse: staatl. anerk. Erzieherin
Vorklassenleiterin
Zusatzqualifikationen: Montessori

Beitragvon befana am Dienstag 18. September 2007, 20:13

Bildungsblog hat geschrieben:Die Höhe des Schulgeldes für so genannte Ergänzungsschulen beginnt bei 120 Euro monatlich, wie z.B. bei Waldorfschulen, die Kosten für Eliteschulen, die auch zu den Ergänzungsschulen zählen, liegen pro Jahr schon deutlich im 5stelligen Bereich. Die günstigere Variante findet man bei den so genannten Ersatzschulen, die staatlich anerkannt sind, wie z.B. konfessionelle, die mit Schulgeldern in Höhe von 10 bis 120 Euro monatlich noch ein echtes „Bildungsschnäppchen“ darstellen.

Doch obgleich die Privatschulen einen erheblichen Kostenmehraufwand für Familien darstellen, ist seit 1992 die Zahl der Privatschüler in Deutschland um 51 % gestiegen.

Bildungsblog hat geschrieben:Warum? Liegt ein Grund vielleicht in der enormen Steuereinsparung, die private Schulen mit sich bringen? Schließlich gibt der Staat jährlich 45,7 Milliarden Euro für staatliche Schulen aus, für die Privatschulen gerade einmal 2,8 Milliarden. Unter diesem Aspekt ist ein sprunghafter Anstieg der Privatschulen in Deutschland wohl eher wünschenswert.

Dieser Artikel lässt vermuten, dass sich überwiegend Eltern, denen die Bildung ihrer Kinder am Herzen liegt, dazu entschliessen würden ihre Kinder ausserschulisch unterrichten zu lassen.

Ganzer Artikel nachzulesen unter:

Schule – Private Schule oder die staatliche Schule?
Lieben Gruss
befana

1. Hilf mir, es selbst zu tun (Maria Montessori)

2. Ich suche das Kind in mir (von mir)
Benutzeravatar
befana
*** Admin ***
 
Beiträge: 12525
Registriert: 19.01.2007
Wohnort: Berlin
Alter: 60
Tätigkeit: Erzieherin
Geschlecht: weiblich
Land: Deutschland
Berufsabschlüsse: staatl. anerk. Erzieherin
Vorklassenleiterin
Zusatzqualifikationen: Montessori

Beitragvon Kerstin am Sonntag 11. November 2007, 01:30

@ befana und vanessa:

Danke für den Hinweis, werde hier dann mal nachlesen. :)
Kerstin :-D
Kerstin
*** Moderatorin ***
 
Beiträge: 2647
Registriert: 27.07.2007
Wohnort: Münster
Tätigkeit: Studentin der Erziehungswissenschaft (Diplom)
Geschlecht: weiblich
Land: Deutschland
Schulabschluss: Abitur
Hochschulsemester: 10

Beitragvon Muchai am Sonntag 11. November 2007, 22:34

Warum ist die staatliche Schulpflicht unnötig?

(..)

Warum werden in keinem freien Land der Welt Eltern, die ihre Kinder selbst erziehen möchten, vergleichbar stark kriminalisiert wie hierzulande? Nach den Verbrechen des Nationalsozialismus sei es zu einem stillen Einvernehmen zwischen Eltern und Staat gekommen, dass Erziehung zur Demokratiefähigkeit für ein gelingendes Gemeinwesen unabdingbar sei und dass diese Erziehung nur durch den Staat organisiert werden könne, vermutet der Bonner Pädagoge Volker Ladenthin.

:arrow: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

(via cohu)
Mit pädagogischem Gruß
Muchai :kaffee:
____

"The Times They Are A-Changing."
(Bob Dylan)
Benutzeravatar
Muchai
*** Admin ***
 
Beiträge: 6111
Registriert: 24.02.2007
Tätigkeit: Erzieher i.R.
Land: Deutschland

Nächste

Zurück zu Diverses zu Studium und Beruf

  • BESUCHER

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste