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Wie sehr sollten Kinder zu ihren Entscheidungen stehen?

Beitragvon befana am Dienstag 18. März 2008, 20:38

Oft werden Kinder nach ihren Wünschen gefragt.
Wenn sie dann antworten, werden sie mit Argumenten überzeugt, dass ihre Entscheidung doch anders viel besser wäre.
Beispiel:
Wir hatten heute das "Klingende Mobil" in der Einrichtung.
Die Eltern bezahlten pro Kind 3,20 € dafür.
Als eine Mutter bezahlen wollte, fragte sie ihr Kind, ob es dabei sein möchte.
Die Antwort war ganz klar:"Nein!"
Das Kind kennt das "Klingende Mobil".
Die Mutter versuchte, ihr Kind davon zu überzeugen, dass es doch toll wäre, erzählte von den vielen Instrumenten usw.

Ich weiss, dass das Kind mit Sicherheit Spass an der Aktion hat.
In diesen Momenten kann ich Eltern, die ihre Kinder nicht ernst nehmen, gut verstehen, bin aber hin- und hergerissen, wie wichtig es wäre, die Kinder auch mal Verantwortung für ihre Entscheidung tragen zu lassen.

Solche Situationen begegnen mir im Laufe des Tages immer wieder.
Die Kinder werden nachmittags zum Essen hereingerufen, haben keinen Hunger und wenn alles aufgegessen ist, beschweren sie sich, dass nichts mehr da ist.
Oft bekommen sie dann doch noch etwas, da die armen Kinder so arg hungrig sind.

Wie denkt ihr über Konsequenzen, die die Kinder tragen sollten?
Lieben Gruss
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Re: Wie sehr sollten Kinder zu ihren Entscheidungen stehen?

Beitragvon befana am Mittwoch 2. Juli 2008, 12:13

Auch wenn es schon eine Weile her ist, die Frage ist für mich immer noch aktuell . ;)
Lieben Gruss
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Re: Wie sehr sollten Kinder zu ihren Entscheidungen stehen?

Beitragvon Sophina am Mittwoch 2. Juli 2008, 15:38

Also, ich bin Konsequenzfetischistin :-D.

Wann immer ich denke, dass ich Louisa die Wahl überlassen kann, weil nichts davon abhängt, das so laufen muss, wie ich will, dass es soll, tue ich das. Meistens, indem ich sie frage, ob sie dieses, jenes oder selbiges will und ihr kurz die Vor- und Nachteile oder die Konsequenzen erläutere.

Und wenn sie dann gewählt hat, hat sie gewählt. Basta. Und "basta" nicht, weil ich eine böse Mama bin, sondern weil ich einfach der Meinung bin, dass Kinder durch Konsequenzen viel verstehen. Zum Beispiel Zusammenhänge im Leben oder auch, dass man nicht alles haben kann.

Sollte sie dann mit ihrer Wahl unglücklich sein, tröste ich sie oder vertröste sie aufs nächste Mal, aber nachgeben tue ich sehr, sehr selten.

Wenn sie sich mal zwischen mehreren Optionen nicht entscheiden kann und alle drei Sekunden hin und her schwankt, halte ich sie an, sage ihr, dass sie nochmal genau und in Ruhe drüber nachdenken soll, was sie will und dann kommt: "Letzte Entscheidung!" Und was sie dann sagt, ist ebenfalls Gesetz.

Ich muss sagen, wir fahren sehr gut mit diesem Prinzip, Louisa ist meistens sehr überlegt und bewusst in ihren Entscheidungen... Ein "kopfloses Huhn" würde mich auch wahnsinnig machen...

Schönes Beispiel, der Geburtstag iher Freundin:
Sie sollte ein Lied gesungen bekommen, konnte sich aber nicht entscheiden, welches. Also hat ihre Mutter, jeweils von den Kindern begleitet, nacheinander alle Lieder vorgeschlagen und angestimmt, die sie kennt und jedesmal entstand nur hysterisches Gekreische und "NEEEEIN" und ganz am Ende gab's Tränen und Frust.

Hätte sie ihrer Tochter ein paar Minuten Zeit gegeben, sich zu entscheiden ("Du kannst ja noch das Stück Kuchen zu Ende essen und Dir dabei überlegen, was wir singen wollen.") und hätte dann entweder das gesungen, was sie sich gewünscht hat, oder aber gar nix, wenn sie sich eben nicht entscheiden kann, wäre allen geholfen gewesen und die Tochter hätte was gelernt...
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Re: Wie sehr sollten Kinder zu ihren Entscheidungen stehen?

Beitragvon befana am Mittwoch 2. Juli 2008, 15:51

Das liest sich sehr hart, ist aber das, was ich auch vertreten kann.
Ich merke auch bei mir, obwohl ich Erwachsen bin, dass ich manchmal mit Entscheidungen überfordert bin.
Und wenn ich solche Situationen wie dein Geburtstagsbeispiel mitbekomme, habe ich immer den Eindruck, es geht auch den Kindern so.
Juckt es dich dann nicht, etwas dazu zu sagen?
Oder beobachtest du still?
Lieben Gruss
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Re: Wie sehr sollten Kinder zu ihren Entscheidungen stehen?

Beitragvon Sophina am Mittwoch 2. Juli 2008, 15:58

Also, würde die Mutter mich in einer stillen Stunde fragen, was ich davon halte, würde ich ihr schon was dazu sagen... Aber im Großen und Ganzen haben wir eigentlich zu fast allem ganz andere Erziehungsansichten, so dass es dazu wohl eher nicht kommen wird.

Das Kind ist nicht meins, also kann ich ganz gut meinen Mund halten und still in mich hinein grinsen... Dann denke ich mir: "Jaja, zieht ihr mal Eure Diva/Tyrannin/Monster groß" und habe ein Stück Genugtuung für die Überheblichkeit, die sie mir gegenüber so gerne an den Tag legt :-).
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Re: Wie sehr sollten Kinder zu ihren Entscheidungen stehen?

Beitragvon Frosch2704 am Mittwoch 2. Juli 2008, 18:17

Mal sehen ob ich dir darauf antworten kann.

Auch ich bin ein Anhänger von Konsequenz. Wenn Kinder keine Grenzen, keine Konsequenzen ihres Handelns und ihrer Entscheidungen kennenlernen, ist es kein Wunder, dass sie als Heranwachsende und als Erwachsene damit nicht umgehen können!

Mitspracherecht ist gut und schön, aber in Maßen! Grundsätzlich bin ich schon der Meinung das man Kinder altersgerecht Entscheidungsfreiheit lassen sollte, aber eben nur soweit auch wir als Eltern die Konsequenzen mitragen können. Wenn ich mein Kind frage, dann muss ich mich eben auch mit der Antwort „abfinden“ und die Entscheidung mittragen. Egal ob es sich dann Anders entscheidet oder nicht. Gesetz ist die erste Entscheidung. Und da kann es auch mal Tränen geben.

Ich bin überzeugt, dass diese ständige Diskutiererei schon mit den ganz Kleinen verkehrt ist, und die Kleinen damit überfordert sind!
Das hat auch nichts mit "Willen brechen" zu tun, sondern einfach damit, dass Kinder Grenzen brauchen, um sich orientieren zu können.

Die Kinder brauchen Grenzen, an denen sie sich orientieren können! Und die Eltern sind in der Pflicht, diese vorzugeben! Das ist eine anstrengende Arbeit, und oft fällt es einem sehr schwer, aber es ist notwendig, wenn wir keine Egoisten wollen!

Mir wird von Freunden auch immer wieder gesagt, ich sei zu streng zu meiner Tochter!
Aber ist man wirklich zu streng, weil ich von ihr erwarte, dass sie in Unterhaltungen die ich mit anderen führe nicht ständig reinredet oder weil ich möchte, dass sie sich am Tisch manierlich benimmt? Oder bin ich Unnormal, weil ich meinem Kind beibringe das sie woanders Fragen soll wenn sie etwas haben möchte, dass man Bitte und Danke sagt? Und Last but not Least ist es wirklich so schrecklich seinem Kind beizubringen Maß halten zu halten und nicht in die Keksdose rein zu greifen bis sie leer ist, sondern einfach aufzuhören wenn man satt ist. Es gibt davon soooooooooo viele Beispiele die ich gar nicht alle aufzählen kann.
Es dauert ewig, wenn Erwachsene bei ALLEM die Kinder fragen und auch entscheiden lassen oder sogar von vornherein bestimmen lassen. Um ein ganz triviale Anforderung wird eine Riesenaktion gemacht.

Ich denke manchmal sollte man auch einfach seine Elternpflicht übernehmen und dem Kind den Weg zeigen.

Ich bin da mit meiner Meinung schon manchmal sehr Krass und passe zum Teil gar nicht in unsere Wohngegend, da ich eben keine Vollzeit Mama bin die all ihre Bedürfnisse zurücksteckt und sich nur noch über ihr Kind definieren kann. Damit Ecke ich schon häufiger an, aber ich hoffe natürlich dass ihr da toleranter seit.

Lg Jessi

P.S. Ich hoffe ich bin nicht all zu sehr abgeschweift.
"Es ist einer der bösartigsten Fehler anzunehmen, die Pädagogik sei die Wissenschaft vom Kind – und nicht zuerst die Wissenschaft vom Menschen."
(J.Korczak aus "Wie man ein Kind lieben soll")

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Re: Wie sehr sollten Kinder zu ihren Entscheidungen stehen?

Beitragvon nina am Mittwoch 2. Juli 2008, 18:37

Hallo Jessi,

Nein ich finde nicht das du zu weit abgeschweift bist.
Ich kann dir nur zustimmen und du hast es sehr gut geschrieben. Mehr kann ich jetzt gar nicht dazu schreiben.
Ich hatte vorhin schon angefangen aufzuschreiben wie ich es sehe und dachte das es auch in die Richtung Konsequenzen und auch Grenzen setzen geht. Ich hab den Text dann gelöscht aber du hast genau das geschrieben das ich auch denke.
Ein Kind braucht Regeln und auch Grenzen und ich verstehe nicht wie Eltern Kindern eine Verantwortungen geben können die sie mit 2-3 Jahren noch nicht tragen können.
Dein Kind oder auch Sophinas Tochter wissen bei euch genau woran sie sind.

Das erstmal von mir vielleicht später mehr.
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Re: Wie sehr sollten Kinder zu ihren Entscheidungen stehen?

Beitragvon smallworld am Mittwoch 2. Juli 2008, 18:43

befana hat geschrieben:Wie denkt ihr über Konsequenzen, die die Kinder tragen sollten?
Ich selbst sehe es folgendermassen: Die Frage, ob das Kind zum Essen kommen will, ist nicht sinnvoll, da es nur um diese Zeit etwas zu essen gibt. Deshalb ist es klar, das Kind kommt zum Essen, denn kein Mensch und Kind wird wohl bis zum Nachtessen keinen Hunger entwickeln. Die Frage müsste dann sein: "Willst du jetzt oder später essen.", da dies in diesem Kontext nicht möglich ist, muss die Frage auch gar nicht gestellt werden. Ich müsste dem Kind also eine intelligente Alternative anbieten können. Entscheidungen zu treffen und einzuhalten, bedeutet für mich auch echte Entscheindungsmöglichkeiten anzubieten.

In einer 1.Klasse, die ich sehr gut kenne, ist folgendes passiert: Die Kinder haben sich basisdemokratisch dazu entschieden, dass im Kreis ständig Platz gewechselt werden darf. Somit war der Morgen katastrophal und ganz wuselig. Am Ende des Tages wollte ein Kind erneut abstimmen, weil es sich so sehr daran störte. Der Vorschlag war: "Man darf zweimal in der Woche Platz wechseln.". Dieser Vorschlag wurde mit nur einer Gegenstimme angenommen und an die vereinbarte Regel halten sich die Kinder ohne dass die Lehrperson darauf achten muss.

Entscheidungen können zu einer tieferen Einsicht führen, dürfen jedoch nicht umunstösslich sein. Ich bin nicht dafür, dass Kinder zu jeder Entscheidung stehen müssen, die sie treffen, denn das führt dazu, dass sie sich nicht weiterentwickeln können.

Ich bin beispielsweise auch nicht dafür, die sich einmal für eine Spielecke entschieden haben den ganzen halben Morgen dort verbringen müssen. Räumen sie den Platz nach dem Gebrauch sauber auf, dann dürfen sie in meinen Augen wechseln wann sie wollen. Jeder hat nun mal einen eigenen Rhythmus. Manche vertiefen sich länger in eine Sache und andere kürzer.

In Erziehungssituationen in der Familie, da kommt natürlich noch dazu, dass die Kinder mit der Freiheit der Eltern in Konflikt kommen. Da bin ich auch dafür, dass die Eltern nicht ständig springen, wenn sich das Kind jetzt plötzlich umentscheidet. Die Freiheit der Eltern und deren Wille zählt schliesslich auch und das sollen Kinder auch erfahren.

Ich hab das nur kurz hingekritzelt, da ich nicht so viel Zeit hatte. Die Gedanken sind noch nicht so geordnet. Ich versuchs später noch einmal mit etwas mehr Ordnung. Ich hoffe aber es bietet ein bisschen was zum Diskutieren.
"Eine gestufte Einführung des Schriftmaterials [...], und die Beschränkung von Lese- und Schreibaktivitäten auf dieses Material ist weder notwendig noch produktiv. Vereinfachung sollte den Lernenden überlassen bleiben (als Zulässigkeit von fehlerhaften Zwischenlösungen), nicht durch ein ein Programm oder die Lehrerin vorgegeben werden."
Hans Brügelmann (1994): "Wie wir recht schreiben lernen", S.246.
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Re: Wie sehr sollten Kinder zu ihren Entscheidungen stehen?

Beitragvon befana am Mittwoch 2. Juli 2008, 20:04

Smallworld hat geschrieben:Ich selbst sehe es folgendermassen: Die Frage, ob das Kind zum Essen kommen will, ist nicht sinnvoll, da es nur um diese Zeit etwas zu essen gibt.

Das sehe ich auch so, erlebe es aber oftmals, dass die Essenszeiten dann auf zwichendurch verschoben werden, so dass das Kind zur nächsten Mahlzeit schon wieder satt ist.
Smallworld hat geschrieben:Entscheidungen können zu einer tieferen Einsicht führen, dürfen jedoch nicht umunstösslich sein. Ich bin nicht dafür, dass Kinder zu jeder Entscheidung stehen müssen, die sie treffen, denn das führt dazu, dass sie sich nicht weiterentwickeln können.

Mir geht es nicht um die Ausnahmen, sie sind ok, solange sie nicht zur Regel werden.
Dein Beispiel mit der Sitzplatzordnung ist für mich ein Vorgang, der etwas mit Absprachen treffen und einhalten zu tun hat und wie ich finde, eine gute Möglichkeit, Kinder in Entscheidungen mit einzubeziehen. Denn genau das ist es, was sie lernen sollten.
Auch hier würden für mich Ausnahmen möglich sein, die von der Situation und nicht von der Kraft des Einzelnen abhängen, solange klar ist, warum und dass es eine Ausnahme ist.
Smallworld hat geschrieben:Ich bin beispielsweise auch nicht dafür, die sich einmal für eine Spielecke entschieden haben den ganzen halben Morgen dort verbringen müssen. Räumen sie den Platz nach dem Gebrauch sauber auf, dann dürfen sie in meinen Augen wechseln wann sie wollen. Jeder hat nun mal einen eigenen Rhythmus. Manche vertiefen sich länger in eine Sache und andere kürzer.

Das ist auch für mich selbstverständlich.
Dazu würde für mich auch gehören, dass Kinder das Essen, welches sie sich gewünscht haben, nicht aufessen müssen, nur weil sie sich dafür entschieden haben.
Dafür gäbe es aber auch nichts anderes. Ausnahme wäre, es ist ein Gericht, welches das Kind noch nicht kannte.
Genauso sehe ich es mit Vereinen.
Warum sollte ein Kind nicht mehrere Vereine kennen lernen, bevor es sich endgültig entscheidet?

Es gibt viele Gründe, warum Kinder nicht immer die Konsequenzen ihrer Entscheidung tragen können.
Das sollte auch berücksichtigt werden.
Genauso wichtig finde ich es aber auch, dass Kinder lernen, den Frust über eine von ihnen fehl getroffene Entscheidung auszuhalten.
Ist dem nicht so, glaube ich, dass sie nicht unbedingt zu Egoisten werden, aber sie haben es sehr schwer, mit Frust umzugehen, oder in der weiteren Entwicklung Entscheidungen zu treffen.

@ Jessi
Ob deine Aufzählungen streng sind oder nicht, hängt davon ab, wie du es durchsetzt.
Ich denke schon, dass Kinder das eine oder andere von dem, was du genannt hast, lernen müssen.
Allerdings sind dies eher Werte, die dir wichtig sind.
Wenn Eltern der Meinung sind, bei Süssigkeiten gibt es keine Grenze, ist es vielleicht für mich nicht ok, aber für sie schon.
Ein Problem für die Entwicklung sehe ich erst, wenn die Entscheidung vom Durchsetzungsvermögen des Kindes abhängt.
Übrigens haben wir zum Thema "Werte und Normen" hier schonmal einen Austausch gehabt.
Vielleicht magst du es lesen und evt. auch etwas dazu schreiben.
Jessi hat geschrieben:Es dauert ewig, wenn Erwachsene bei ALLEM die Kinder fragen und auch entscheiden lassen oder sogar von vornherein bestimmen lassen. Um ein ganz triviale Anforderung wird eine Riesenaktion gemacht.

Ich finde schon, dass Kinder, solange es um ihre Belange geht, so oft wie möglich miteinbezogen werden müssen.
Das fängt schon bei der Kleiderfrage an.
Oft werden Kinder gefragt, was sie anziehen wollen, um ihnen ihre Wahl dann mühsam auszureden, nur weil die Socken nicht zum Shirt passen.
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Re: Wie sehr sollten Kinder zu ihren Entscheidungen stehen?

Beitragvon nina am Mittwoch 2. Juli 2008, 20:11

Wenn ich ein Kind frage dann muß ich mich auch auf die Antwort einlassen können. Ich darf dann nicht die Antwort so drehen wie sie mir gefällt dann kann ich die frage gleich lassen und sage dem Kind was ich in dieser Situation möchte.

An disem Austausch merke ich wieder wie tolle es ist verschiedene Meinungen, Ansichten und Denkanstöse zu bekommen.
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