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Praktikanten in der Einrichtung

Beitragvon befana am Freitag 11. April 2008, 19:28

Mich interessiert sehr, wie ihr die Rolle des Praktikanten/der Praktikantin in der Einrichtung seht, oder wie ihr euch in dieser Rolle wiederfindet.
Angefangen vom Einsatz bis zur Mitsprache.
Zu dieser Diskussion hat mich dieser Beitrag veranlasst.
Lieben Gruss
befana

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2. Ich suche das Kind in mir (von mir)
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Beitragvon Muchai am Freitag 11. April 2008, 21:17

Ich bin grundsätzlich kein Freund von Vorgaben. Mir ist es wichtig, daß sie eine Vorstellung von ihrer zukünftigen Arbeit bekommen und daraus etwas entwickeln. Ich erwarte Einsatz und Interesse; dazu ghört für mich, daß eine Person Fragen stellt. sind diese Punkte vorhanden, kann ich mit Unzulänglichkeiten umgehen und in Gesprächen darauf eingehen.
Mitsprache ist erwünscht - im Rahmen dessen, was die Person an Einsatz und Interesse mitbringt.

Die Einstellung rührt wohl aus der Erfahrung eines Prtaktikums her, als ich mir meine Zielgruppe selber suchen musste und gemeinsam ein Programm mit ihnen entwickelt habe. In diesem dreiviertel Jahr habe ich am meisten gelernt.
Mit pädagogischem Gruß
Muchai :kaffee:
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Beitragvon Geli am Freitag 11. April 2008, 22:16

Hallo Befana!
Ich habe ja die Ausbildung zur Erzieherin nicht mehr ganz jugendlich *gg* absolviert und hatte deshalb als Praktikantin teilweise Schwierigkeiten.
Naja, in Wahrheit waren es nicht wirklich "Schwierigkeiten", meine Anleitungen und ich waren eher zwischenzeitlich etwas verblüfft und wir verschiedener Meinung, was Anleitung und was Selbstbestimmung ist.

In einer Einrichtung hat mich verwundert, dass man mir als Praktikantin, die ja in der Regel einen Berg an Aufgaben zu bewältigen hat (nehmen wir mal ein situationsorientiertes Projekt) kaum den Raum hierfür gegeben hat. Ich musste mein Projekt auf einige wenige Kinder beschränken, obwohl sehr viele daran interessiert waren. Dazu kam, dass ich meine Angebote zwischen die festen Angebote im Kiga - Alltag schieben musste.
In meinem Anerkennungsjahr hatte ich wegen Personalwechsel und "Stutenverbiss" insgesamt drei Anleiterinnen, wovon eine wirklich ernstgemeinte Ratschläge geben konnte.
Oftmals habe ich bemerkt, dass sich Anleiterinnen persönlich angegriffen fühlten, wenn ich Dinge hinterfragt habe. Das hat mich schon etwas verwundert, denn eigentlich bin ich ein eher höflicher Mensch. Teilweise frage ich mich immer noch, womit ich diejenige derart gekränkt haben könnte.
Es war aber schon so, dass ich mir weniger habe sagen lassen, wie meine 10 Jahre jüngere Mitprakti (heruntermachen vor Kindern, Angebote beenden, bevor sie wirklich vorbei waren o.ä.)

Das kannte ich von meiner Erstausbildung nicht. Hier wurden die Schüler, weil sie "am Puls der Zeit" saßen auch als Experten für Neues Anerkannt, obwohl sie natürlich Anleitung benötigten. Im medizinischen Bereich sind aber auch die Handlungswege einfach klarer als in der Pädagogik.

Als ausgebildete Erzieherin habe ich dann versucht, es wie in meiner Erstausbildung beizubehalten. Wenn ein Praktikant kommt, soll/muss er den Raum haben, seine Aufgaben zu bewältigen und ich freue mich über neuen "Input".

Was ich nicht sonderlich mag, sind unmotivierte Praktis und auch, wenn jemand kommt, der von vornherein alles besser wissen will, ohne, dass er sich in Ruhe mit Konzept und Arbeitsweise auseinandergesetzt hat.

Liebe Grüße, Geli :D
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Beitragvon engelein10 am Samstag 12. April 2008, 17:59

Hallo!

Ich finde, es wichtig, dass die Praktiknaten einen Einblick in jeden Aufgabenbereich, z.B. verschiedene Angebote, Wickeln, füttern, Zähne putzen, etc. bekommen. Sie sollten überall mal reinschauen können.
Sie sollen aber auch am Anfang die Möglichkeit haben, erst mal die Kinder und die Einrichtung kennenzulernen und dann auch kleinere Angebote selbstständig durchführen.
Außerdem sollten sie die Zeit haben ihre Wünsche, Anregungen etc. zu äußern und Fragen zu stellen und Zeit haben sich um ihre Aufgaben zu kümmern.
Gruß Vanny

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Beitragvon Neill am Sonntag 13. April 2008, 12:28

Leider Gottes ist es ja nunmal so, dass viele Einrichtungen in ihrem eigenen Saft schmoren und die Anwesenheit eines Praktikanten manchmal als Drohung empfunden wird - habe ich jedenfalls das Gefühl. Ich sehe einfach das Praktikantenproblem (wenn es denn eines gibt) darin, dass viele garnicht die Chance nutzen und jemanden neuen Wind in die Gruppe bringen zu lassen.

Meine Ausbildungszeit war teilweise echt hart, weil ich auch, ich gebe es zu ein schwieriger Typ bin (in manchen Dingen), ich handle immer aus meiner Überzeugung und auch mal gern intuitiv. Viele ErzieherInnen hängen strickt an ihrem Konzept und lassen links und rechts keinen Platz für andere Anregungen...ODER der andere Fall: sie haben schon lange keine Lust mehr sich wirklich ihrer eigentlichen Arbeit zu widmen - Burn Out? Frustration?

Das alles sind ja Dinge, auf die man als Praktikant erstmal garnicht kommt, ich mein der schlechte Ruf kommt ja nicht von irgendwo! Viele ErzieherInnen haben also kein Bock sich mit elementaren Fragen auseinanderzusetzen und somit auch gerne mal Praktikanten einfach mal Aufgaben verteilen um ihre Arbeit weitesgehend zu entlasten. Was ja ok ist, dient meiner Meinung aber nicht dem Sinn eines Praktikums, vor allem wenn man mit gezielten Auflagen von der Schule kommt und diese aus Zeitmangel teilweise nicht umsetzen kann. Ich spreche natürlich hier aus eigenen Erfahrungen und weiß, dass es vielen ebenso ging wie mir. Eigentlich hatte niemand während meiner Ausbildung (im Kiga-Bereich) ein problemfreies Praktikum.
Ich sage immer gern, dass es auch daran liegt, dass in vielen Einrichtungen überwiegend Frauen arbeiten. Und ich glaube, es ist kein Klischee, wenn ich sage, dass es teilweise doch echt zickenmäßig abgeht. In der einen Einrichtung mehr, in der anderen weniger - kommt halt auf die Supervision und die Leitung an (denke ich jedenfalls). Ich als Praktikant komm da also rein und passte für viele garnicht ins Konzept, weil ich ein Mann bin (auch noch mal so ein Ding)...

Ich habe mich nach meinem ersten HORROR-Praktikum schnellstmöglich nach einem neuen Platz umgeschaut und von den Erzieherinnen im Vorfeld ein Gespräch gefordert. Es war wichtig für mich, ihre Erwartungen konkret vor Augen zu haben und ihnen gleichzeitig zu sagen wie ich dazu stehe und ob ich das umsetzen kann oder will. Somit waren die Fronten geklärt und es war ein echt gutes Praktikum, wo ich eine Menge gelernt habe, von diesen Frauen und außerdem war es eine gute Zeit, natürlich nicht ohne Stress, aber alle Konflikte konnten konstruktiv gelöst werden.

Als ich dann meine erste Praktikantin hatte, :o sah die Welt dann schon ganz anders aus. Sie war sehr jung, in der Ausbildung zur Sozialassistentin und eigentlich das zusätzliche Riesenbaby für meine Gruppe. Na Danke auch! Im Ernst, sie ist teilweise in das Verhalten der Kinder übergegangen und war keine Hilfe und hat auch nicht verstanden, was dieser Beruf bedeutet. Danach war ich natürlich auch erstmal bedient von Praktikanten und da fragt man sich, was für Leute werden einem da eigentlich zugewiesen.

In der letzen Einrichtung, in der ich gearbeitet habe (Hort), habe ich es so gehalten und die Leute eingeladen, ein Gespräch im Vorfeld geführt, welches meist 45 min. dauert und dokumentiert wurde. Die Inhalte wurden von uns dann bestimmt. Ich habe nach Erwartungen und Ängsten gefragt, Stärken & Schwächen, Erläuterungen von Erfahrungen, Berufswahl etc. und gemeinsame Zielformulierung. Dazu noch ein bißchen geplaudert um das Eis zu brechen. (wohl bemerkt alles nach einer positiven Hospitation).

Das Praktikum lässt sich in 3 Phasen einteilen:

1. Orientierunsphase
Meine Aufgabe in dieser Phase ist es: Infos zu geben, Wissen zu vermitteln und Vorgaben zu machen und zu erklären...

- Kennenlernen (Kinder, Einrichtung, Mitarbeiter, Eltern, Umgebung, Stadtteil) dazu gehört: vorstellen mit namen, Konzeption des Hauses etc.
- viel Zeit für Gespräche einplanen (vielleicht 2 mal die Woche)
- Vorstellungen über zukünftige aufgaben werden definiert

Der Praktikant soll zunehmend beobachten und unterstützend wirken, nicht etwa ausschließlich Angebote planen oder durchführen, er soll hieraus Fragen entwickeln im Umgang und Verhalten von mir und zwischen den Kindern. Außerdem den Tagesablauf kennenlernen.

Diese Phase sollte so zw. 4-6 Wochen dauern. Danach gibt es dann eine Zwischenbilanz (Reflexion). Inahlt: Beziehung zw. mir und dem Praktikanten, dem P. und den Kindern und Kollegen, Eltern etc.. Ich gebe eine Einschätzung zur Entwicklung ab. Dann werden konkrete Aufgaben für die nächste Phase festgelegt.

Es kann auch schon sein, dass man nach dieser Phase merkt: das wird nix. Spätestens hier schmeisst man den Praktikanten dann raus ;)

2. Erprobungsphase

Erwerb von Sicherheit durch angeleitetes, praktisches Proben

Konkrete Aufgaben werden verteilt in allen Bereichen die meinen Berufsalltag ausmachen. Die Aufgaben werden zusammen vorbereitet. Was muss getan werden? Mit wem muss was abgesprochen werden? Wie arbeite ich? Mit welchen Mitteln? UND das Bild des Erziehers selbst? Wie sehe ich mich.
Hier auch wieder 1 Gespräch pro Woche! Nach 4 Wochen wieder eine Reflexion! Gegestand dieses Gespräches soll es sein die Zusammenarbeit der letzten Wochen zu reflektieren: Wie habe ich das erlebt und wahrgenommen? Es werden neue Ziele und Anforderungen definiert. Der Praktikant sollte jetzt selbstständig arbeiten und ich eher als Berater zur Verfügung stehen.

3. Verselbstständigungsphase

- selbstständiges Arbeiten seitens des Praktikanten
- Unterstützung wenn es nötig ist, entscheidet der P. selbst

Die Anleitergespräche werden weniger und drehen sich zuhnehmend darum, wie das Berufsbild geprägt ist, und wie die eigene Berufliche Zukunft aussieht etc. Fachliches kann auch diskutiert werden UND Anleitung zur Selbstreflexion.

Dies liest sich natürlich alles sehr schön, ist aber aufwendig, macht aber mehr Sinn für beide Parteien. Ich hatte in dieser Zeit 2 Praktikanten und beide haben mit 1 abgeschlossen! (zumindest praktisch)
... Diese Phasen habe ich während meiner Ausbildung gelernt und hätte sie gern mal einigen ehemaligen Anleiterinnen von mir ins Fach geschoben^^

In meinem ersten Praktikum jetzt im Studium war ich in einer Einrichtung, die das ähnlich durchführt, wie ich es getan habe. Und ich habe bemerkt wie gut und aufschlussreich das für mich gewesen ist, da ich von dem Klientel überhaupt keine Ahnung hatte und in Praktikantengruppengesprächen auch fachlich viel dazugelernt habe.

Ich möchte anmerken, dass ich an einer SCHWEREN GRIPPE leide und unter viel Kraftanstrengung diesen Text verfasst, daher möchte man mir Grammatik- und Rechtschreibfehler nachsehen. Ich schließe dann erstmal.
Ich spreche grob mit meinem Sohn
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Beitragvon engelein10 am Montag 14. April 2008, 09:03

Hallo Neill!

Das ist ja alles schöbn und gut was du da schreibst.
Aber die meisten Praktikanten haben ja nur noch kurze Blockpraktika und Einzelpraktika. Deine Beschreibung lässt sich im Annerkennungsjahr umsetzten, aber nicht bei den Praktikas im schulischen Teil der Ausbildung.

Hast du für kurze Blockpraktikas und Einzelpraktikas auch so eine konkrete Vorstellung?
Gruß Vanny

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Beitragvon Neill am Montag 14. April 2008, 21:03

stimmt...ich hatte bisher nur 2 Anerkennungsjahrpraktikanten und halt die Bratze da am Anfang...hm aber man müsste es aber für Praktikanten die über einen längeren Zeitraum anwesend sind, dafür aber nur 1-2 mal die Woche auch so umsetzen können, was Blockpraktika betrifft, empfinde ich das immer eher als eine mehr wöchige Hospitation, weil man bekommt höchstens einen Einblick in die Arbeit, alles andere wäre ja falsch zu behaupten, daher stelle ich da auch keine großen Ansprüche. Ich habe selbst bisher 2 Blockpraktika absolviert und diese als ziemlich nervend empfunden, da man selbst zu hohe Ansprüche an sich stellt, denen man in einer Zeit von zB 4-6 Wochen garnicht gerecht werden kann. Ich hab solche Praktikanten garnicht mehr übernommen zum Schluß...
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Beitragvon Neill am Montag 14. April 2008, 21:05

Ich überleg mir mal was mit den kleinen Praktika...
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Beitragvon befana am Montag 14. April 2008, 23:09

@ Geli
Die Schilderungen über dein Praktikum lesen sich recht gruselig.
Geli hat geschrieben:Als ausgebildete Erzieherin habe ich dann versucht, es wie in meiner Erstausbildung beizubehalten. Wenn ein Praktikant kommt, soll/muss er den Raum haben, seine Aufgaben zu bewältigen und ich freue mich über neuen "Input".

Was ich nicht sonderlich mag, sind unmotivierte Praktis und auch, wenn jemand kommt, der von vornherein alles besser wissen will, ohne, dass er sich in Ruhe mit Konzept und Arbeitsweise auseinandergesetzt hat.


Mit beiden Aussagen sprichst du mir aus der Seele.
Leider erlebte ich es im Laufe der Jahre auch, dass Praktikantinnen mit Vorurteilen von der Schule kamen und das Bedürfnis hatten, nun alles zu verändern, bevor sie die tatsächlichen Bedingungen kannten.
Ihre Einwände waren oft gar nicht so unberechtigt, aber leider unter den bestehenden Bedingungen nicht zu verändern.



@ Neill,
Dafür, dass du eine schwere Grippe hattest, dachtest du aber noch sehr aktiv. :lol:
Ich hoffe, dir geht es wieder besser.
Mir fällt auf, dass du einerseits auf die AnleiterInnen nicht gut zu sprechen bist, andererseits aber auch schon schlechte Erfahrungen mit Praktikanten gemacht hast.
Das las sich im Ursprungsbeitrag etwas anders.
Leider Gottes ist es ja nunmal so, dass viele Einrichtungen in ihrem eigenen Saft schmoren und die Anwesenheit eines Praktikanten manchmal als Drohung empfunden wird [...] dass viele garnicht die Chance nutzen und jemanden neuen Wind in die Gruppe bringen zu lassen.

Dem stimme ich dir bedingt zu.
Im Laufe der Jahre habe ich es schon oft erlebt, dass Praktikantinnen in die Einrichtung kamen und alles revolutionieren wollten.
Mitunter waren sie völlig verständnislos, dass es nicht möglich war.
Sie kamen von der Schule und wollten aktiv werden, haben dort vielleicht auch schon gehört, was in den Einrichtungen im argen liegt, und wollten dies verändern, ohne erst mal zu hinterfragen.
Manche waren auch so unsicher, dass sie den ganzen Tag Männchen malten, oder wie du auch schon erlebt hast, das zusätzliche Kind in der Gruppe waren.
Oft fehlte ihnen das Grundwissen, oder sie trauten sich nicht, zu hinterfragen, aus Angst, es könnte sich negativ auf ihre Bewertung auswirken.
Mir persönlich sind fundierte Auseinandersetzungen mit Praktikantinnen lieber, als angepasstes Verhalten.
Wichtig ist für mich, dass PraktikantINNEN sich in der Rolle der Lernenden sehen.
Dazu gehört für mich, sich bei Kritik nicht zu rechtfertigen, sondern zu hinterfragen.
Leider erlebte ich dies bisher nur selten.

Ich sage immer gern, dass es auch daran liegt, dass in vielen Einrichtungen überwiegend Frauen arbeiten. Und ich glaube, es ist kein Klischee, wenn ich sage, dass es teilweise doch echt zickenmäßig abgeht. In der einen Einrichtung mehr, in der anderen weniger - kommt halt auf die Supervision und die Leitung an (denke ich jedenfalls). Ich als Praktikant komm da also rein und passte für viele garnicht ins Konzept, weil ich ein Mann bin (auch noch mal so ein Ding)...

Dem stimme ich dir bedingt zu, habe aber zu Männern in der Einrichtung eine andere Sicht. In den meisten Fällen, die ich erlebt habe, sind es eher die Männer, die es sich sehr einfach machen und darin auch noch unterstützt werden, da man ja schließlich froh ist, ein männliches Vorbild in der Einrichtung zu haben (woran natürlich auch wieder die Frauen schuld sind)
Als ich dann meine erste Praktikantin hatte, Surprised sah die Welt dann schon ganz anders aus. Sie war sehr jung, in der Ausbildung zur Sozialassistentin und eigentlich das zusätzliche Riesenbaby für meine Gruppe. Na Danke auch! […]Danach war ich natürlich auch erstmal bedient von Praktikanten und da fragt man sich, was für Leute werden einem da eigentlich zugewiesen.

Oft denke ich, es sind nicht unbedingt die Leute, die einem zugewiesen werden, sondern die Anforderungen, die von der Schule gestellt werden, bzw. das, was ihnen bisher vermittelt wurde.
Vielen PraktikantINNEN fehlen theoretische Grundlagen z.B. über die kindliche Entwicklung, Konfliktlösung oder Auswertung von Beobachtungen.

Muchai hat geschrieben:[...]Mir ist es wichtig, daß sie eine Vorstellung von ihrer zukünftigen Arbeit bekommen und daraus etwas entwickeln. Ich erwarte Einsatz und Interesse; dazu gehört für mich, daß eine Person Fragen stellt. sind diese Punkte vorhanden, kann ich mit Unzulänglichkeiten umgehen und in Gesprächen darauf eingehen.
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@ Muchai
Dem stimme ich zu...



Insgesamt möchte ich nicht verschweigen, dass ich auch sehr viele Praktikantinnen hatte, die ich gerne als Kollegin gehabt hätte.
Unter anderem eine Praktikantin, mit der ein Jahr lang heftige Diskussionen gelaufen sind, von der aber auch ich viel gelernt habe.
Lieben Gruss
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Re: Praktikanten in der Einrichtung

Beitragvon befana am Sonntag 29. Juni 2008, 14:06

Den Artikel habe ich gerade zum Thema gefunden: Praktikantenanleitung I

Edit:
Und den: Praktikantenanleitung II
Lieben Gruss
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