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Entwicklungsverzögertes Kind, das ...

Beitragvon engelein10 am Mittwoch 21. Mai 2008, 16:56

... behindert bleibt.

Hallo!
Ich habe im Bekanntenkreis einen Jungen der im Sommer zwei Jahre alt wird. Er ist in seiner Entwicklung total weit zurück und die Ärzte in verschiedenen Kliniken sagen, dass der Junge behindert bleibt. In einer Klinik hieß es auch schon, dass der Junge sich überhaupt nicht mehr weiter entwickelt.

Kurz etwas zu seinem Entwicklungsstand.
Er kann den Kopf nicht lange hochhalten.
Er kann nichts grobes Essen.
Er greift nicht nach Spielsachen.
Er kann Personen nicht orten, wenn sie ihn ansprechen und weiter als 50cm von ihm entfernt sind.
Er kann sich nicht drehen.
Er fängt grad an Laute von sich zu geben.

Ich schließ mich der Meinung der Ärzte nicht an. So wie ich den Jungen erlebe, kann er sich schon weiterentwickeln, aber er braucht Förderung und die muss auch von den Eltern zu Hause weiter gemacht werden.
Als ich ihn vor einer Woche sah, saß er schlapp bei seinem Vater auf dem Schoß und ließ den Kopf nach unter hängen. Die Putzfrau kniete sich vor ihn. sie sprach ihn an. Er hob den Kopf, schaute sie an und streckte die Arme in ihre Richtung. Ich sehe schon, dass er Fortschritte macht. Aber er wird nicht genug gefördert und gefortert. Einmal die Woche kommt eine Ergotherapeutin. Die badet dann meist das Kind, massiert es beim Eincremen und geht dann mit ihm spazieren. Schläft der Junge, wenn sie kommt, dann lässt sie ihn schlafen, auch wenn er drei Stunden schläft.
Gruß Vanny

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Beitragvon Andrea am Mittwoch 21. Mai 2008, 17:17

Hallo Vanessa,

wie stehen denn die Eltern dazu? Fordern und fördern sie das Kind? Informieren sie sich?
Liebe Grüße
Andrea :elefant:
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    Wenn ich nur darf,
    wenn ich soll,
    aber nie kann, wenn ich will,
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    wenn ich muss.
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    wenn ich will,
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Beitragvon Rosenrot82 am Mittwoch 21. Mai 2008, 18:04

Servus Vanessa!

Kann es sein, dass die Eltern sich noch nicht mit der Situation des Kindes abgefunden haben, also dass sie noch in der Verdrängungsphase sind?
Wann wurde die Diagnose gestellt?
Das kann ja manchmal durchaus sehr lange dauern bis die Eltern die Situation so annehmen können dass sie sich für die Förderung und Weiterentwicklung ihres Kindes wirklich einsetzen.

Also ich hoffe es kommt verständlich rüber was ich meine.
Ich kann grad irgendwie nicht so formulieren wie ich möchte... :?

LG Rosenrot
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Beitragvon Muchai am Mittwoch 21. Mai 2008, 23:07

Moin Vanessa,

hast Du von dem Jungen nicht schon einmal berichtet? Ich meine mich dunkel zu erinnern, dazu (bzw. zu einem ähnlichen von Dir geschilderten Fall) ausführlich genatwortet zu haben.
Ich find's nur gerade nicht...
Mit pädagogischem Gruß
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Beitragvon Muchai am Mittwoch 21. Mai 2008, 23:54

Ich schmücke mich mal mit fremden Federn *zuKerstinzwinker*: Das Thema meinte ich...
Mit pädagogischem Gruß
Muchai :kaffee:
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Beitragvon engelein10 am Donnerstag 22. Mai 2008, 09:16

Hallo Muchai!

Danke! Ja es geht um den gleichen Jungen!
Hatte den Beitrag auch nciht wieder gefunden!
Gruß Vanny

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Beitragvon engelein10 am Donnerstag 22. Mai 2008, 09:25

Hallo Andrea!

Also soweit ich das erlebt habe, fordern und fördern sie das Kind nur durch die Ergo-Therapeutin. Selbst machen sie nicht sehr viel. Sie ist selber Kinderärztin müsste es eigentlich am besten wissen.
Aber auch der Opa des Kleinen weiß nicht mehr was er der Mutter noch sagen soll. Er ist auch Kinderarzt gewesen. Aber auch auf ihn hört sie nicht.
Gruß Vanny

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Beitragvon Angela am Donnerstag 22. Mai 2008, 11:08

Hallo Vanessa!
Dein Thema beschäftigt mich zur Zeit auch immer wieder, weil mein Nachbarskind auch stark entwicklungsverzögert ist. Allerdings kann sie inzwischen laufen (sie ist 3 J.), greifen und sich ganz gut beschäftigen. Aber sie spricht nicht und zeigte bis vor einem halben Jahr starke Hospitalismuserscheinungen.
Die Mutter ist selbst als Kind in der Entwicklung sehr langsam gewesen - auch die Oma und die Tante sind etwas langsamer, fast einfältig.
Die Mutter hat das Kind von Geburt an mit automatischem Spielzeug zugeschüttet, keinerlei Eigeninitiative des Kindes zugelassen und es in keinster Weise gefördert. Dazu kommt, dass sie selbst schlecht spricht.

Das Kind geht seit seinem ersten Lebensjahr zur Frühförderung, Ergotherapie und jetzt auch Sprachtherapie (sie kann nur quietschen, manchmal Mama und auch den Namen meines Sohnes sagen, den sie ganz toll findet).

Ich habe nach langem Theorien wälzen und beobachten den Schluss gefasst, dass dank mangelnder Sinnesreize die Möglichkeit bestand, die Synapsen im Gehirn sich verknüpfen zu lassen. Ich würde dem Kind tägliche Stunden mit "Sensorischer Integration" verschreiben. Sinnesübungen durch ausgebildete Leute. Zusätzlich würde ich der Mutter eine Hilfe zur Seite stellen, Familienpflegerin oder ähnliches, die ihr hilft den Alltag kindgerechter zu meistern. Das Kind wäre in den ersten Tagen fast verhungert, weil die Mutter das Rezept des Milchpulvers nicht verstand!

Wenn die Mutter "deines" Kindes Kinderärztin ist, sollte sie im Stande sein, das Kind zu fördern. Da scheint mir eher ein gesundheitliches Problem vorzuliegen. Oder ist die Mutter psychisch so aus dem Lot, dass sie ihr Kind nie angenommen und dadurch ähnlich vernachlässigend gehandelt hat, wie meine Nachbarin?

Was willst du tun? Was könnte ich tun, um zu helfen?
Lg Angela
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Liebe Grüße,
Angela alias Yvonne
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Beitragvon engelein10 am Donnerstag 22. Mai 2008, 13:20

Hallo Angela!

Ich weiß nicht mehr, was ich noch tun soll.
die Putzfrau handelt schon sehr gut. Sie macht das, was sie meint, dass gut für das Kind ist. Alle haben schon mit der Mutter gesprochen, aber sie vertritt einen anderen Standpunkt. Sie hat die Meinung der Ärzte anscheinend akzeptiert und sich damit abgefunden.
Gruß Vanny

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Beitragvon Muchai am Donnerstag 22. Mai 2008, 21:01

Ärzte sind auch nur Menschen, vor allem wenn es um die eigenen Kinder geht. Die medizinische Prognose mag nicht günstig sein; sie ist aber nicht gleichbedeutend mit einer pädagogisch-psychologischen Prognose, die man so gar nicht aufstellen kann.
Abgesehen davon glaube ich nicht, daß ein Arzt ein Kind als nicht entwicklungsfähig abschreibt (zumindest nicht, wenn ein KInd nicht von der ersten Minute um sein Überleben kämpfen muss).

Ich habe es damals schon gesagt und wiederhole es gerne noch einmal:
Gerade für Mütter behinderter Kinder, ist es sehr schwer, mit der Behinderung ihres Kindes umzugehen.
Ds Verstrcken hinter der medizinischen Diagnose mag da eine Hilfe sein, um das Thema überhaupt in irgendeiner Art und Weise bewältigt zu bekommen.

Das SGB IX einige Unterstützungen sowohl für das Kind als auch für die Eltern vor. Das ist kein medizinischer Ratgeber, sondern eine rechtliche Richtschnur, was die Eltern alles einfordern können.
Ich bin darin zu wenig bewandert, sonst könnte ich hier etwas konkretere Hilfestellung geben.

Aktiv unterstützen könnt Ihr, wenn Ihr Prospekte von speziellen Einrichtungen (die im Prinzip ab der Geburt zur Verfügung stehen). Frühförderung wurde schon mehrfach genannt.
Einholen wird das Thema die Eltern so oder so - spätestens dann, wenn das Kind ins schulpflichtige Alter kommt.

Bietet Euch an, unternehmt etwas mit dem Kind (Eisessen, U-Bahnfahren, Zoobesuch, oder was auch immer). Zumindest das Kind wird es Euch danken. Die Eltern vielleicht auch, weil sie für ein paar Stunden von ihrem Leid abgelenkt sind.

Den selbstherapeutischen Bereich können die Eltern ur aus eigenem Antrieb angehen.
Mit pädagogischem Gruß
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