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Der Zivi: Wichtiger Bestandteil oder billige Arbeitskraft?

Beitragvon Muchai am Mittwoch 13. August 2008, 01:09

Moin,

vorgestern hat der 2,5 millionste Zivi seinen Dienst an der Gesellschaft angetreten:
Jung, billig, unentbehrlich

(...)Drohte der Wehrdienst zu kippen, zuletzt im Jahr 2004, zitterten auch die Sozialverbände um ihre zuverlässigen - und relativ günstigen - Mitarbeiter. Zivildienstleistende erhalten nicht mehr Geld als Wehrpflichtige. Ein Großteil des Soldes wird zudem vom Bund übernommen.(...)

:arrow: SPON

Dazu gab es auch eine Pressemitteilung der Grüneen Bundestagsfraktion:
Zivildienst umwandeln und Pflichtdienste abschaffen

Heute begann der 2,5-millionste Zivildienstleistende seit 1961 seine Tätigkeit. Dazu erklärt Kai Gehring, jugendpolitischer Sprecher:

Selbstverständlich bereichert die Arbeit von Zivis unsere Gesellschaft, dennoch ist es höchste Zeit, neue Wege zu gehen. Während Minister Jung eisern an der antiquierten Wehrpflicht festhält, zementiert Ministerin von der Leyen den Zivildienst. Offenbar ignorieren beide die Entwicklung, wonach EU- und Nato-Partner reihenweise aus der ungerechten Wehrpflicht aussteigen. Auch der in Deutschland aus der Wehrpflicht abgeleitete Zivildienst muss umgewandelt werden.

Dass seit Jahren mehr Zivis als Wehrpflichtige ihren Dienst antreten, zeigt zweierlei: Von Wehrgerechtigkeit kann längst keine Rede sein und Zwangsdienste haben sich überlebt. Wir brauchen endlich die Abschaffung der Wehrpflicht, den Einstieg in eine Freiwilligenarmee und eine Verdoppelung der Freiwilligendienstplätze. Dieser Dreischritt wäre ein echter gesellschaftlicher Fortschritt und würde freiwilliges Engagement endlich stärker wertschätzen.

Auch volkswirtschaftlich wäre es vernünftiger, die Zivildienststellen in reguläre Arbeitsplätze umzuwandeln und freiwilliges Engagement intensiver zu fördern. Aktuelle Studien belegen die hohen volkswirtschaftlichen Kosten der Pflichtdienste durch den Eingriff in die Arbeits- und Ausbildungsbiografien junger Männer.

:arrow: Bündnis 90 / Grüne Bundestagsfraktion

Wie steht Ihr zum ZIvildienst?
Ist der Zivildienst ein uabdingbarer Bestandteil unserer Gesellschaft oder einfach nur eine billige Arbeitskraft?
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Re: Der Zivi: Wichtiger Bestandteil oder billige Arbeitskraft?

Beitragvon Sophina am Mittwoch 13. August 2008, 05:22

Ich habe (ich geb's zu) die verlinkten Artikel nur überflogen, aber meine Vorgehensweise (an der ich ganz illusorisch schon seit Jahren festhalte) wäre folgende:

* Abschaffen des Wehrdienstes -> ausschließlich Berufsheer
* Verpflichtende Einführung eines sozialen Jahres direkt nach der Schule oder auch nach der Ausbildung, jedenfalls mit ca. 20 Jahren, für Jungs und Mädchen

Für mich ist der Zivildienst ein wichtiges Instrument zur Persönlichkeitsbildung und sollte für jeden Menschen (übrigens auch für die ausländischen Einwohner Deutschlands, falls das rechtlich irgendwie machbar ist?!?!) obligatorisch sein.
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Re: Der Zivi: Wichtiger Bestandteil oder billige Arbeitskraft?

Beitragvon tobias am Mittwoch 13. August 2008, 06:28

hi
ja das wäre auch edine möglichkeit.
ich seh das ganze noch aus einer anderen perspektive. ohne den zivildienst wäre die männerquote im sozialen bereich absolut katastrophal. das wäre vor allem für kinder sehr sehr schwierig.

man muss denken, erstens würden die meisten jugs, die zivi machen nicht für das knappe zivi-jahr zur verfügung stehen und zweitens kommen bestimmt 70-90 prozent der männer die hinterher dann auch im sozialen arbeiten über den zivi zum sozialen.

muchai wie ist das denn bei dir? (oder auch andere männer im forum, gibts da welche? ;) ) bei mir wars übrigends so, ich bin mitm zivi hängen geblieben (auch wenn ich dann spychologisch gesehen sicher noch eine andere motivation hatte...)

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Re: Der Zivi: Wichtiger Bestandteil oder billige Arbeitskraft?

Beitragvon Claudia am Mittwoch 13. August 2008, 11:21

Ich wäre auch dafür es entweder abzuschaffen oder für beide Geschlechter einzuführen....
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Re: Der Zivi: Wichtiger Bestandteil oder billige Arbeitskraft?

Beitragvon saschkia am Mittwoch 13. August 2008, 15:44

Ich finde , dass ein Zivi gar nicht mal so schlecht verdient! zumindest war es in der Einrichtung, in der ich mein FSJ gemacht habe so! da habe ich aber nur den blanken Neid bekommen, als ich dessen Abrechnung gesehen habe! ich hab da genau die gleichen Aufgaben übernommen und das ganze für 154 € im monat!! Natürlich ist das FSJ freiwillig...
Aber generell denke ich, dass der Zivildienst gar nicht mal so ne schlechte Sache ist! Und fänd es auch nicht schlecht, wenn so etwas wie das FSJ für Mädchen auch verpflichtend wäre... Allerdings dann auch zu nem gleichberechtigten Gehalt!! :-)
Man kann dabei schon eine Menge für das spätere Leben lernen!
und von wegen billige Arbeitskraft... so sehe ich mich im Moment mal wieder im Praktikum, welches ich fürs Studium ableisten muss und mal wieder keinen einzigen Pfennig sehe!! und natürlich auch alle Aufgaben übernehme...
Da haben die Zivis doch dann noch einen guten Stand :-)
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Re: Der Zivi: Wichtiger Bestandteil oder billige Arbeitskraft?

Beitragvon tobias am Mittwoch 13. August 2008, 17:32

ich wo hast du denn dein fsj gemacht? :-o ich kann mcih erinnern dass die fsj-lkerinnen damals von der einrichtung n bissl weniger bekamen als die zivis, dafür aber vom träger des fsj (z.b. vom paritätischen) noch zuschüsse bekamen. un das dafür dass die alle schnautze irgendwo weg waren ;) nichts für ungut, haben sich die mädls ja auch verdient. wundert mich nur, dass es bei dir eben so wenig war... :-o
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Re: Der Zivi: Wichtiger Bestandteil oder billige Arbeitskraft?

Beitragvon Muchai am Mittwoch 13. August 2008, 18:09

tobias hat geschrieben:ohne den zivildienst wäre die männerquote im sozialen bereich absolut katastrophal. das wäre vor allem für kinder sehr sehr schwierig.

Das rechtfertigt aber nicht den ZIvildienst. Gerade der soziale Bereich ist das Arbeitsfekd, in dem am wenigsten Fachkräfte beschäftigt sind...

Ich denke, es steht einer Gesellschft, die nicht in der Lage ist, vernünftige Rahmenbedingungen für Bildung zu schaffen, nicht gut zu Gesicht, das noch mit einem Zwangsdient zu krönen. Die Wehrpflicht gibt es doch nur noch, weil man auf die billigen Zivis angewiesen ist. Gerade die großen Wohlfahrtsverbände, die eigene GmbH's gründen, um ihr Personal noch schlechter zu bezahlen, haben vor vier Jahren beim letzten zaghaften Versuch, die Wehrpflicht abzuschaffen, am lautesten aufgeschrien.

Die Persölichkeitsbildung sehe ich auch, dazu benötigt man aber keinen Zwangsdienst. Wir haben auch (wenige) männliche FSJotten in unserer Einrichtung. Freiwillige gibt es also. Daß es sich im Lebenslauf gutmacht, hat sich auch schon herumgesprochen...

tobias hat geschrieben:muchai wie ist das denn bei dir?
Ich bin mit einem Bomben-Fünfer ausgemustert worden. Ich habe es auch darauf angelegt...
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Re: Der Zivi: Wichtiger Bestandteil oder billige Arbeitskraft?

Beitragvon Rosenrot82 am Mittwoch 13. August 2008, 20:29

Servus!

Ich finde den Zivildienst wie auch den Wehrdienst an sich eine gute Sache.
Wenn es endlich gelingen würde, dafür eine freiwillige Basis zu schaffen wäre das natürlich klasse.

Dass man bei dieser "Verpflichtung" fast nix verdient, ist derzeit für viele sehr schwierig.
Auf freiwilliger Basis würde der geringe Verdienst für so ein Jahr (oder neun Monate oder wie auch immer) schon wieder anderst aussehen.
Aber bisher sehe ich vor allem die Zivildienstleistenden schon als billige Arbeitskräfte.
Was würden bestimmte soziale Bereiche ohne die Zivis machen? Da kämen ganz schön Geld- und Arbeitskraftnöte auf wenn die Zivis fehlen würden.

Dass nach einer Abschaffung der Pflichtdienste dann wirklich so viele Männer im sozialen Bereich fehlen werden glaub ich nicht mal.
Dafür werden sich vllt. dann auch mehr junge Frauen dem Dienst beim Staat stellen.
Dass manche Männer durch ihren Zivildienst zum sozialen Beruf finden kann schon sein.
Ich hab es bisher nur von der anderen Seite aus beobachtet - viele junge Männer sind nach ihrem Wehrdienst beim Bund geblieben obwohl sie sich das vorher nicht vorstellen konnten.
Das ist eben so, man muss nur mal was anderes/neues ausprobieren/kennenlernen!

Wenn diese Dienste weiter eine Pflicht bleiben sollen, dann bin ich auch auf jeden Fall dafür, dass sie dann auch für Frauen gelten.
Wie schon genannt wurde ist es einfach eine große Bereicherung und bringt für alle jungen Leute in der Persönlichkeitsentwicklung sehr viel.

LG Rosenrot
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Re: Der Zivi: Wichtiger Bestandteil oder billige Arbeitskraft?

Beitragvon Muchai am Mittwoch 13. August 2008, 20:52

Rosenrot82 hat geschrieben:Dass nach einer Abschaffung der Pflichtdienste dann wirklich so viele Männer im sozialen Bereich fehlen werden glaub ich nicht mal.

Vor allem sind Zivis Männer, die nicht wirklich in Verantwortung stehen (und im Extremfall in den ersten Tagen lernen, wie man eine Spülmaschine einräumt). Sie genießen in der Regel ein wenig Narrenfreiheit, wogegen auch nichts einzuwenden ist. Anders ausgedrückt: an sie werden nicht die Erwartungen einer Fachkraft formuliert.


Rosenrot82 hat geschrieben:Dass manche Männer durch ihren Zivildienst zum sozialen Beruf finden kann schon sein.

Ich weiß nicht, wie es bei KIndergarten-Zivis aussieht. Aber wenn ich mir die Zivis bei uns so anschaue, bringen sie häufig einen sozialen Hintergrund mit, sei es in Form von jüngeren Geschwistern oder Geschwistern mit Behinderung, Pfarrei, etc. mit.
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Re: Der Zivi: Wichtiger Bestandteil oder billige Arbeitskraft?

Beitragvon Muchai am Montag 26. Oktober 2009, 21:31

Der Trend geht weiter zur kurzzeitigen, billigen Arbeitskraft: ab 2001 wird der Zivildienst auf sechs Monate verkürzt.

Für die Caritas ein ernsthaftes Problem:
Weniger menschliche Zuwendung bei kürzerem Zivildienst

(...) Besonders Pflegeeinrichtungen und die Arbeit mit behinderten Menschen würden unter der Kürzung leiden. Bei einer kürzeren Dienstzeit werde es für die Betroffenen zukünftig ein deutliches "Weniger an menschlicher Zuwendung" geben, so Schellenberger weiter. (...)

:arrow: Münchner Kirchenradio

(Wenn ich so etwas lese, weiß ich wieder, warum ich nicht für die Kirche arbeite... :wut3: )
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