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Politische Korrektheit als geistiger Urheber von Begrifflichkeiten

Beitragvon Muchai am Sonntag 24. August 2008, 00:17

Nabend,

habt Ihr verhaltensauffällige KInder in Eurer Gruppe? Mit Sicherheit nicht. Sie sind allenfalls verhaltensoriginell oder im besten Falle verhaltenskreativ. Da Ihr auch in diesen herausfordernden (nicht schwierigen oder problematischen!) Fällen nicht allzu viel Arbeit habt, macht Ihr reichlich von der der Erziehungspartnerschaft Gebrauch, die Ihr kraft Vertrag mit den Eltern eingegangen seid.

Es mag eine gewisse Form von Diplomatie gepaart mit politischer Korrektheit sein, die einen hindert, (auch intern) Probleme als Herausforderungen anzusehen, sie auch als solche zu bezeichnen und - immer vom Guten im Menschen ausgehend - das Ganze möglichst wertfrei anzugehen.

Ich betrachte diese Begriffe, die miestens auch noch sehr lang und umständlich sind, eher als Euphemismus und finde sie in den meisten Fällen wenig hilfreich. In der Außendarstellung mögen sie noch ganz sinnvoll sein (weil sie da wohl auch weniger verstanden werden), in der internen Zusammenarbeit halte ich sie meist für deplaziert. Ich finde es ganz sinnvoll, das Kind wirklich beim Namen zu nennen, auch wenn es schwerfällt und die eigentliche Realität (die nun wiederum ganz subjektiv ist) eben nicht so blumig ist, wie es diese Begriffe suggerieren.

Gehe ich wirklich eine Erziehungspartnerschaft ein, wenn ich bemerke, daß sich die Eltern nicht um ihr KInd kümmern? Gehe ich wirklich eine Erziehungspartnerschaft ein, wenn ich bemerke, daß der Erzieherin mein Sohn eigentlich vollkommen egal ist? Kündige ich die Erziehungspartnerschaft auf, wenn ich dem Jugendamt von blauen Flecken berichte? Kündige ich die Erziehungspartnerschaft, wenn ich die Einrichtung wegen verletzter Aufsichtspflicht verklage?
Oder ist es deoch besser, einfach von Elternarbeit zu sprechen?

Ist das Kind verhaltensoriginell oder gar -kreativ, wenn es permanent um sich schlägt oder Magengeschwüre bekommt, weil es sich nicht anders zu helfen weiß?

Wie steht Ihr dazu? Ist es wirklich stigmatisierend, sich (intern) fernab der politischen Korrektheit zu bewegen?
Mit pädagogischem Gruß
Muchai :kaffee:
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Re: Politische Korrektheit als geistiger Urheber von Begrifflichkeiten

Beitragvon Sophina am Sonntag 24. August 2008, 22:30

Bei uns an der Arbeit geht es zwar nicht um PC, sondern eher darum, Kunden mit Fachvokabular zu beeindrucken und an sich harmlose Zusammenhänge möglichst weit aufzubauschen, so dass sie sich nach viel Arbeit und großer Erkenntnis anhören, aber wir hatten schon immer eine "interne" Sprache, sonst müssten wir den ganzen Tag nur geschwollen daher reden und hätten keine Zeit mehr zum arbeiten.

Ansonsten bin ich auch sehr dafür, das Kind beim Namen zu nennen, zumindest intern, oder aber bei den Eltern, bei denen man weiß, dass es "richtig" ankommt. Also, meine Güte, wenn mir damals jemand gesagt hätte, Louisa sei verhaltenskreativ, hätte ich das vielleicht noch toll gefunden, weil Kreativität ja immer was Gutes ist und mich dann noch gewundert, warum sie trotzdem keine Befürwortung vom KiGa bekommt, als Kann-Kind in die Schule zu gehen, und das, wo sie doch so kreativ ist!!

Ich finde, das ist ein sehr typisches Zeichen unserer momentanen Zeit - es gibt nichts Negatives, höchstens etwas anderes und ein anderer Weg darf auf keinen Fall als schlecht kritisiert werden. Dabei ist das letztenendes doch nur Augenwischerei - jaja, die kleine Louisa hat eine sehr kreative Art, mit ihren Herausforderungen umzugehen, selbst wenn das gedacht und gelebt wird, wird es der kleinen Louisa nix nutzen, wenn sie irgendwann keinen Job bekommt, weil sie beim ersten Problemchen anfängt zu heulen und zu kreischen...

Ich bin für die "harte Schiene", wenn sie einem beim Erkennen der Wahrheit hilft! Aber meine persönliche Erfahrung hat auch schon gezeigt, dass sehr viele Eltern so von ihrem Nachwuchs "geblendet" sind, dass man so PC mit ihnen reden muss, weil sie sonst zu Toder erschrocken sind!
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Re: Politische Korrektheit als geistiger Urheber von Begrifflichkeiten

Beitragvon Claudia am Sonntag 24. August 2008, 22:45

Huhu!

Also ich stimme euch zu, und eigentlich auch wieder gar nicht. :roargh:
Ich glaube nämlich ganz und gar nicht, dass alles plötzlich nur noch in rosa Wölkchen gesehen wird. Im Gegenteil, gerade die Pädagogik ist viel zu sehr in der negative Sichtweise verkrampft - was kann man wie, wann und wo besser fördern, erziehen, .. kann. Aber um für etwas eine Veränderung zu wollen, muss man es erst einmal als mangelhaft "erkannt" haben (=vorallem defizitorientiert).
Um den heißen Brei reden, davon halte ich auch nichts. Aber ich finde eine positive Einstellung den Kindern, Eltern, Klienten, .. immer sehr wichtig. Oft genug werden z.B. Eltern nicht als die Experten ihrer eigenen Kinder anerkannt, mein Gott, so lang manche sog. Fachkräft beim Wort Erziehungspartnerschaft mal länger und intensiver reflektieren, hat die PC doch schon was bewirkt, dann kann ich mich auch mit beschönigten Wörtern anfreunden.. Solche "Umdeutungen" sind ja auch dazu da um neu über das Thema nachzudenken. Deshalb bleibt meistens Erziehungspartnerschaft trotzdem (Eltern-) Arbeit, klar.

Ich bin also lieber für PC, also für unreflektierten Altmist (-um es mal in beiden Extremen auszudrücken :floet: ).
Liebe Grüße!
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Re: Politische Korrektheit als geistiger Urheber von Begrifflichkeiten

Beitragvon Sophina am Montag 25. August 2008, 05:29

Claudia, Du glaubst also wirklich, dass päd. Fachkräfte jedesmal eine kleine Sekunde innehalten und ins Überlegen kommen, wenn ihnen der Begriff "Erziehungspartnerschaft" durchs Hirn fleucht? Das finde ich sehr optimistisch...

Nach kurzer Zeit sind neue Worte auch wieder "Altmist"! Ich hab auch gestutzt, als es vor vier Jahren, als ich zum ersten Mal mit dem Thema konfrontiert wurde, plötzlich nicht mehr Kindergärtnerin, sondern Erzieherin hieß, aber dieses Wort ist mittlerweile so in meinem Sprachgebrauch drin, dass ich langsam eine neues bräuchte (Erziehungspartnerin im Elementarbereich), um wieder neu zu stutzen!
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Re: Politische Korrektheit als geistiger Urheber von Begrifflichkeiten

Beitragvon Claudia am Montag 25. August 2008, 10:55

Sophina, da geb ich dir absolut Recht. Klar. :jaja: Ich meinte es auch gar nicht mittel- und langfristig. Aber wenn der erste Moment das schon anregt und sich dadurch in der Einstellung (wenn auch nur leicht) etwas verändert, was solls?! ;)
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Re: Politische Korrektheit als geistiger Urheber von Begrifflichkeiten

Beitragvon befana am Montag 25. August 2008, 17:29

Wie Claudia schon schrieb, der Begriff ist eigentlich egal, wenn es schon hilft, darüber nachzudenken.
Mit der Veränderung der Begriffe wird gleichzeitig auch vorhandenes reflektiert.
Der Begriff verhaltensauffällig bedeutet z.B., das Verhalten fällt auf. So gesehen ist der Begriff immer noch richtig.
Leider wurde oft nur festgestellt, dass es auffällt, aber nicht reflektiert, warum.
Die Gründe wurden ganz selbstverständlich in den Familien gesucht.
Und damit sind wir schon beim Begriff "Elternarbeit".
Es macht wirklich viel Arbeit, die Eltern davon zu überzeugen, dass sie etwas falsch machen, was wir besser machen würden.
Mit dieser Aussage stehen Erzieherinnen über den Eltern, obwohl doch beide das Wohl des Kindes im Blick haben sollten.
Sophina hat geschrieben:Ich finde, das ist ein sehr typisches Zeichen unserer momentanen Zeit - es gibt nichts Negatives, höchstens etwas anderes und ein anderer Weg darf auf keinen Fall als schlecht kritisiert werden.

Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass es im Normalfall nichts Falsches gibt, sondern nur andere Wege.
Wer setzt denn fest, was richtig und falsch ist? Was für den einen richtig ist, kann für den anderen falsch sein. Es gibt keine Patentrezepte.
Jeden erstmal so anzunehmen wie er ist, ist jedenfalls eine bessere Basis gemeinsame Wege zu finden, als das Verhalten des anderen zu kritisieren.
Lieben Gruss
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Re: Politische Korrektheit als geistiger Urheber von Begrifflichkeiten

Beitragvon Claudia am Montag 25. August 2008, 19:17

Danke befana, schön formuliert, sehe ich auch so. :D
Liebe Grüße!
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Re: Politische Korrektheit als geistiger Urheber von Begrifflichkeiten

Beitragvon Geli am Montag 25. August 2008, 21:21

*kurzeinwerfenwill*
Ich kenne eine Mutter, die nächtelang nicht mehr schlafen konnte, als sie gehört hat, ihr Kind habe eine Entwicklungsverzögerung im sprachlichen Bereich (und die hat das Kind). Die Erzieher beim Elterngespräch haben sicherlich erklärt, was das zu bedeuten hat (keine Behinderung zum Beispiel), aber bei der Frau ist nur das Wörtchen "Entwicklungsverzögerung" hängen geblieben. Nachdem sie wie gesagt nächtelang nicht geschlafen hat, entschied sie sich dafür, dass ihr Kind nicht behindert sei und somit auch keine Logopädie braucht.
Der Knirpsi ist inzwischen 5 und spricht bestenfalls wie ein 3jähriger, hätte schon vor zwei Jahren logopädische Unterstützung haben können. Jetzt hat er diese, nachdem er bei der Schuluntersuchung von der Ärztin kaum verstanden wurde.

Durch dieses Beispiel ist mir etwas klarer geworden, was man mit einem einzelnen Wörtchen so anrichten kann.

Intern bin ich auch dafür, die Dinge beim Namen zu nennen.

Liebe Grüße, Geli
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Re: Politische Korrektheit als geistiger Urheber von Begrifflichkeiten

Beitragvon Muchai am Montag 25. August 2008, 23:31

befana hat geschrieben:Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass es im Normalfall nichts Falsches gibt, sondern nur andere Wege.
Wer setzt denn fest, was richtig und falsch ist? Was für den einen richtig ist, kann für den anderen falsch sein. Es gibt keine Patentrezepte.

Und es gibt eben schon richtig und falsch. Wenn ich meinen Sohn, der sehr schnell Mittelohrentzündung bekommt, sehr leicht Sonnenbrand und Bindehautentzündung kriegt, im offenen Cabrio durch die Stadt kutschiere, dann mache ich etwas falsch. Wenn das Kind zuhause nur Kuchen frühstückt, ist es auch falsch. Wenn ich ein Kind morgens im Kindergarten nicht begrüße, ist es auch falsch.
Das unter dem Deckmantel der Erziehungspartnerschaft in schöne Worte zu kleiden, bringt niemanden weiter - am wenigsten das Kind.

Ich bin ein Freund diplomatischer Sprache, aber wenn es nix mehr Negatives gibt, sondern nur noch andere Wege, ist die politische Korrektheit ein zeitverschwendender Weichspüler.

Aber Diplomatie (meinetwegen auch Fingerspitzengefühl) und politische Korrektheit sind für mich zwei verschiedene Paar Schuhe.
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Re: Politische Korrektheit als geistiger Urheber von Begrifflichkeiten

Beitragvon befana am Dienstag 26. August 2008, 07:18

Eine Leidenschaft im sozialen Bereich scheint zu sein, alle Einzelfälle als Paradebeispiel für die Eltern zu nehmen.
befana hat geschrieben:Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass es im Normalfall nichts Falsches gibt, sondern nur andere Wege.

Natürlich gibt es auch Eltern, denen das Wohl ihrer Kinder mehr oder weniger egal ist, oder die nicht wissen, was zum Wohle des Kindes ist.
Aber ist das die Regel?
Um über Grundeinstellungen nachzudenken, musste etwas verändert werden. Und wenn es durch neue Begriffe ist, warum nicht.
Manche Begriffe haben im Laufe der Jahre inhaltlich eine völlig andere Bedeutung bekommen, weit entfernt von der ursprünglichen Aussage.
So wurde der Begriff "behindert" mittlerweile oft benutzt, um jemandem mitzuteilen, dass er geistig nicht ganz normal ist.
Oder das Wort Kindergärtnerin.
Es erinnert an die Kindergartentante, die in der Ecke sitzt und Geschenke bastelt.
Ich persönlich habe kein Problem mit dem Begriff, er gefällt mir besser als Erzieherin, auch wenn ich nicht in der Ecke sitze.
Trotzdem kann ich gut verstehen, wenn er nicht so gerne gehört wird.
Lieben Gruss
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