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Scaffolding

Beitragvon Claudia am Dienstag 2. September 2008, 20:55

Hallo!

Im aktuellem Plan: "Bildung von Anfang an, Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0 bis 10 Jahren in Hessen" (Dez. 2007) geht es ab Seite 92 um Scaffolding, was so viel heißt wie Kindern Hilfestellung geben.

Kanntet ihr den Begriff? Ich muss zugeben ich bin erst durch das hessische Curriculum darauf gestossen.

Hesssicher Bildungsplan hat geschrieben:Kindern Hilfestellung geben (Scaffolding)

Scaffolding bezeichnet eine vorübergehende gezielte Hilfestellung und Lenkung, die dem Alter, dem jeweiligen Entwicklungsstand und dem Erfahrungshorizont des Kindes angemessen sind. Die Hilfestellung wird immer in der „Zone der nächsten Entwicklung“ angeboten. Dies hat zur Folge, dass die Kinder genau darin unterstützt werden, über das, was sie bereits wissen oder können, hinauszugehen.

Aufgaben und Probleme, die Kinder noch nicht allein, aber unter der Leitung und in der Zusammenarbeit mit einem kompetenten, erfahrenen Partner selbstständig und erfolgreich ausführen und lösen, helfen ihnen, diejenigen Kompetenzen auszubilden, die sich gerade in der Entwicklung befinden. Leiten im Sinne von Scaffolding heißt dabei nicht „vorsagen“, sondern beinhaltet vielmehr, dass das Kind durch Hinweise, Fragen oder Materialien dabei unterstützt wird, selbst die Lösung zu finden. Die Kinder lernen Wege kennen, Probleme selbst zu lösen und Hindernisse zu überwinden.

Durch Hilfestellung wird das Kind beim Lernen aktiv und gezielt unterstützt. Hilfestellung kann das Wissen oder die Fähigkeiten eines Kindes in allen Entwicklungsbereichen erweitern (z.B. Erweiterung des faktischen Wissens, die Förderung der kognitiven und sprachlichen Kompetenzen, die Ausbildung der Lese- und Schreibkompetenz). Um beurteilen zu können, wann Kinder bereit sind, sich weiterzuentwickeln, ist ein Wissen des Entwicklungsstandes in den verschiedenen Bereichen essenziell. Genaue Beobachtung und Teilnahme am Spielen und Lernen der Kinder helfen dabei herauszufinden, was ein Kind bereits kann, was ihm leicht oder schwer fällt, was es herausfordern würde und so die nächste Fähigkeitsstufe
darstellt. (...)


Nun hab ich endlich einen Begriff für die Sache, was ich beim Situationsansatz (bei mangelnder Reflexion) kritisiere. :roargh: Ich bin nämlich durchaus überzeugt, dass Kinder auch weiterführende Anregungen brauchen auf welche sie von selbst nicht direkt kommen würden.
(Zur Verdeutlichung was ich meine: Die menschliche Fanatasie ist auch begrenzt, denn wir können uns NICHTS vorstellen was wir nicht schon kennen. Jedes Monster (..), jede Vorstellung ist auch nur eine Kombination unserer Erfahrungen und der Natur.)

:lausch:
Was haltet ihr von Scaffolding?
Wie verträgt es sich mit dem Situationsansatz?
Macht ihr es in eurer Arbeit?
Habt ihr noch weitere Gedanken dazu?
Liebe Grüße!
Claudia
:hack:

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Re: Scaffolding

Beitragvon schlingeline am Dienstag 2. September 2008, 22:01

hi claudia,

ich frage mich gerade ob es eine neue wortbezeichunung ist , denn eigentlich ist doch laut dem leitlinien und dem bildungsauftrag auch gegeben , die kinder da zu fördern wo sie stehen. und dies wird doch mit hilfe von entschicklungsberichten und gesprächen auch umgesetzt. oder verstehe ich da was falschs .
gruß schlingeline
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Re: Scaffolding

Beitragvon Claudia am Dienstag 2. September 2008, 22:08

@schlingeline
Lies doch bitte noch einmal das Zitat. Es geht doch eben darum weiter/darüber hinaus zu denken und entsprechend zu agieren. :jaja:
Liebe Grüße!
Claudia
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Re: Scaffolding

Beitragvon befana am Dienstag 2. September 2008, 22:24

Na klasse, nun habe ich einen Begriff für das, was ich tue. :P
Mit dem Situationsansatz magst du Recht habe.
Er greift Situationen auf, ohne die Kinder heraus zu fordern.
Ich formuliere es mal mit meinen Worten.
Hat ein Kind Interesse an Lichtquellen, kann ich ihm zeigen, wie ein Stromkreis funktioniert und das Kind darf es selbst ausprobieren (Situationsansatz).
Die Herausforderung wäre, dem Kind ein entsprechendes Buch und die Materialien in die Hand zu drücken und mit angemessener Unterstützung selbst herausfinden zu lassen, wie es funktioniert.

Der andere Aspekt, der durch Beobachtung und Situationsansatz oft missverstanden, bzw. außer acht gelassen wird, man muss Kindern auch Themen zumuten.

Genaue Beobachtung und Teilnahme am Spielen und Lernen der Kinder helfen dabei herauszufinden, was ein Kind bereits kann, was ihm leicht oder schwer fällt, was es herausfordern würde und so die nächste Fähigkeitsstufe
darstellt. (...)

Ich finde, dies ist der schwierigste Part dabei. Oft werden Angebote so gestaltet, dass es für sie leicht ist, statt sie herauszufordern.
Wenn also ein Kind gerne und gut Memory spielt, wird ein bekanntes Memory einfach gegen ein unbekanntes Memory ausgetauscht, statt es selbst eins entwerfen zu lassen.
Und wenn es dann doch mal so ist, werden die Karten vorher genormt. :roll:
Lieben Gruss
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Re: Scaffolding

Beitragvon Claudia am Dienstag 2. September 2008, 22:33

Volltreffer, befana! :stumm:

Boah, hoffentlich traut sich trotzdem noch jmd. etwas zu schreiben!!
Liebe Grüße!
Claudia
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Re: Scaffolding

Beitragvon befana am Dienstag 2. September 2008, 22:34

ich kann es ja wieder löschen. :roargh:
Lieben Gruss
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Re: Scaffolding

Beitragvon Muchai am Mittwoch 3. September 2008, 03:38

Ob die Phantasie von KIndern per se begrenzt ist, bezweifle ich. Daß man sie weiter anregen und fördern kann, hingegen nicht. Man bietet den Kindern eine Grundlage, bzw. ein Gerüst (nichts anderes bedeutet scaffolding)...
Mit pädagogischem Gruß
Muchai :kaffee:
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Re: Scaffolding

Beitragvon Claudia am Mittwoch 3. September 2008, 07:30

Muchai hat geschrieben:Ob die Phantasie von KIndern per se begrenzt ist,

Ich Fanatasie des Menschen ist absolut begrenzt! Etwas Neues, was es nicht schon in irgendeiner Form gibt, kann kein Mensch sich neu erdenken.
Liebe Grüße!
Claudia
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Re: Scaffolding

Beitragvon Andrea am Mittwoch 3. September 2008, 07:43

befana hat geschrieben:Ich finde, dies ist der schwierigste Part dabei. Oft werden Angebote so gestaltet, dass es für sie leicht ist, statt sie herauszufordern.

Kann mich befana nur anschließen - gut auf den Punkt gebracht - aber es kommt ein Aber :roargh:
- die Angebote sind nicht nur für die Kinder leicht gestaltet, so dass sie diese schaffen können. Auch die Erz. schaffen diese :floet:
Wenn nun weiter überlegt werden muss - bleiben wir bei dem Beispiel ,Strom', dann muss die Erz. sich ja auch erst einmal infomieren und schauen, wie dies funktioniert. Im Idealfall geht sie gemeinsam mit dem Kind auf Forschungsreise. Nun kommt aber der Zeitfaktor ins Spiel, der mit ein Punkt ist, die Sache scheitern zu lassen.

Muchai hat geschrieben: Man bietet den Kindern eine Grundlage, bzw. ein Gerüst (nichts anderes bedeutet scaffolding)...

Genau - scaffolding heißt Gerüst, d.h. ich brauche ein sehr fundiertes Wissen um den Entwicklungsstand jedes Kindes mit seinen Intra- und Interindividuellen Unterschieden zu erkennen und zu beurteilen. Und auch daran scheitert die Praxis häufig, da vielfach so vertiefend nicht ausgebildet wurde und neuere Erkenntnisse erst schleppend in den Einrichtungen ankommen. Denn zu einem Gerüst gehört auch, dass es einen guten Aufbau hat - vergleichbar mit dem Fundament in einem Haus. Baue ich einfach oben an wird es evtl. oben zusammenbrechen - scaffolding ist somit mit eine der schwierigsten Herausforderungen im Praxisalltag.

Aber das Wort ist nett :roargh:
Wir brauchen als: Zeit + Wissen + innerliche Haltung der Forschungsassistent(inn)en (diese Bezeichnung finde ich einfach nur gut ;) ) += scaffolding
Liebe Grüße
Andrea :elefant:
----------
    Wenn ich nur darf,
    wenn ich soll,
    aber nie kann, wenn ich will,
    dann kann ich auch nicht,
    wenn ich muss.
    Wenn ich aber darf,
    wenn ich will,
    dann kann ich auch,
    wenn ich muss.
    Denn merke:
    die können sollen,
    müssen auch wollen dürfen.


    Johannes Conrad, Philosoph
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Re: Scaffolding

Beitragvon rodkulla am Mittwoch 3. September 2008, 14:24

Ich möchte gerne als Spielkreisleiterin und Tagesmutter dazu kurz schreiben.
Ich versuche den Kindern zu helfen, Dinge alleine zu tun, was ihrem Entwicklungsstand entspricht: Hilf mir, es selbst zu tun.
Einige Beispiele (auch gestern und heute wieder im Spielkreis mit neuen Kindern erlebt)

Die Schuhe werden unter die Garderobe gestellt. Ein Junge, der die deutsche Sprache noch nicht so beherrscht, stellt die Schuhe auf die andere Seite. Habe es so lange wiederholt, auch mit Gestik, dass er die Schuhe unter die Garderobe stellte. Bin mir sicher, nächstes Mal macht er es gleich.

Im Stuhlkreis benutzen wir am Anfang Musikinstrumente, danach werden sie unter den Stuhl gelegt. Wir machen Kreisspiele, danach gehen wir zurück in den Stuhlkreis. Ein Kind holte das Instrument, was wir aber erst später brauchen. Ich ließ das Kind das Instrument selbst zurücklegen und somit weiß es hoffentlich das nächste Mal, dass wir es JETZT noch nicht benutzen.

Die Kinder werfen die gebrauchten Taschentücher selbst in den Mülleimer, nicht ich.

Sie decken selbst den Tisch und räumen auch wieder ab.

Das sind nur einige Beispiele, die am Anfang natürlich zeitaufwendig sind, aber später das eigene Leben und das Gruppengeschehen vereinfacht. Und die Kinder sind so stolz, dass sie soviel alleine können. Selbst den Eltern fällt dann auf, was man den Kindern zumuten kann.,ohne (großen ) Druck auszuüben.

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