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Ganz normale Kinder - Heterogenität und Standardisierung ...

Beitragvon Claudia am Samstag 27. September 2008, 12:12

Hallo

Das Buch "Ganz normale Kinder: Heterogenität und Standardisierung kindlicher Entwicklung" ist ein recht aktuelles Buch und wird an unserer Uni auch etwas beworben.

Autoren auf dem Buchrücken hat geschrieben:In den letzten Jahrzehnten haben Entwicklungsbeeinträchtigungen im Kindesalter stark zugenommen, die Diagnosen wurden diversifiziert und die Befundzahlen für Störungsbilder sind gestiegen. Kinder werden auf diese Weise immer häufiger als zu fördernde oder gefährdete Menschen wahrgenommen.

Doch wie wird Normalität und Abweichung kindlicher Entwicklung im Kontext von Familienerziehung, Schule, Kindervorsorgeuntersuchungen, Gesundheitsberichterstattung sowie politischen, medizinischen, psychologischen und pädagogischen Fachdiskursen hervorgebracht? Die Autoren untersuchen in diskurs- und praxisanalytischen Studien und historischen Analysen, wie Diagnosen zustande kommen, auf welche Normen sie sich beziehen und welche praktischen Notwendigkeiten daraus abgeleitet werden. Der Band widmet sich der Genese von Entwicklungsnormen, den Herstellungsweisen der Diagnosen von Abweichungen und den Verfahrungsweisen institutionell gebundener Präventions-, Förder- und Selektionsmaßnahmen. Er verfolgt die These, dass sich nicht die Kinder (allein), sondern die entwicklungsbezogenen Evaluations- und Diagnoseinstrumente, das Bild des Kindes und die institutionellen Arrangements, die Kindern und Eltern zur Verfügung gestellt werden, gewandelt haben.


Es sind sehr viele, absolut interessante Aspekte im Buch enthalten. Die Sprache selbst ist durchaus sehr wissenschaftlich, aber man kann sich recht gut "durchkämpfen". :jaja: Aufgrund der Gliederung wird natürlich die Fragestellung aus unterschiedlichen Persprektiven (soziologisch, pädagogisch, medizinisch, ...) beleuchtet.

Das Inhaltsverzeichnis hat geschrieben:I. Das Konstrukt einer "normalen Entwicklung" und seine Voraussetzungen
  • Das normale Kind: Zwischen Kategorisierung, Statistik und Entwicklung (André Turmel)
  • "Auswickeln", Entwickeln und Vergleichen: Kinder unter Beobachtung (Anja Tervooren)
  • Zum diskursanalytischen Konzept des flexiblen Normalismus. Mit einem Blick auf die kindliche Entwicklung am Beispiel der Vorsorgeuntersuchungen
II. Erziehung und Normalisierung. Historische Perspektiven
  • Zur Geschichte der Idee eines "normalen Verhaltens" (Elisabeth von Stechow)
  • Der Schularzt - Funktionalität und Normierungstendenzen eines neuen Berufsfeldes im 19. Jahrhundert (Annette Miriam Stroß)
III. Enwicklungsrisiken und -störungen. Diskursanalytische Perspektiven
  • Von "deficit of moral control" zum "attention deficit". Über die Geschichte der Konstruktion des unaufmerksamen Kindes (Sabine Reh)
  • Legasthenie - Realität und Realisierung eines Krankheitsbildes (Doris Bühler-Niederberger)
  • Armut als Enwicklungsrisiko? Der politische Kinderarmutsdiskurs (Johanna Mierendorff)
  • Risiko und Vertrauen in Familien als Konstruktions- und Aushandlungsprozess
IV. Entwicklungsbeobachtung in der Praxis. Institutionen- und kulturanalytische Perspektiven
  • "Normale" kindliche Entwicklung als kulturelles und gesundheitspolitisches Projekt (Helga Kelle)
  • "Entwicklung auf dem Prüfstand: zum praktischen Management von Normalität in Vorsorgeuntersuchungen" (Sabine Bollig und Marion Ott)


Ich kann jedem das Buch empfehlen, welcher sich mit Heterogenität, Behinderung oder gezielter Beobachtung(en) beschäftigt..

:hut:
Liebe Grüße!
Claudia
:hack:

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Re: Ganz normale Kinder - Heterogenität und Standardisierung ...

Beitragvon Muchai am Samstag 27. September 2008, 23:34

Frage aus dem Off in diesem Zusammenhang: was ist denn normal?
Mit pädagogischem Gruß
Muchai :kaffee:
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Re: Ganz normale Kinder - Heterogenität und Standardisierung ...

Beitragvon Claudia am Sonntag 28. September 2008, 22:20

Muchai hat geschrieben:Frage aus dem Off in diesem Zusammenhang: was ist denn normal?

Genau darüber wird sich (u.a.) in dem Buch Gedanken gemacht bzw. es wird wissenschaftlich untersucht, was die Politik, Gesellschaft ... aus diesem Begriff macht. :roargh:
Liebe Grüße!
Claudia
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