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Märchen

Beitragvon eshackt am Montag 17. November 2008, 10:09

Warum lieben Kinder Märchen und warum sind Märchen für Kinder wichtig? Sehen sie die Grausamkeit im Märchen einfach so viel anders als Erwachsene oder gehört dies einfach zur emotionalen Bandbreite, die ein Kind durchleben muss?
eshackt
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Re: Märchen

Beitragvon befana am Montag 17. November 2008, 19:54

Das Thema "Märchen" hatten wir vor einiger Zeit schon mal.
Gerade heute habe ich daran gedacht.
Denn mir ist wieder mal klar geworden, dass Kinder mit den "Grausamkeiten" der Märchen sehr oft auch ohne diese konfrontiert werden.
Ein Junge (4 J.) erzählte mir heute die ganze Leidensgeschichte Jesu, angefangen von der Geburt bis zur Auferstehung.
Auch die "vermeintlichen" Kindersendungen sind reichlich angefüllt damit.
Ob Kinder speziell Interesse an den Märchen haben, bezweifle ich.
Ich denke eher, es ist ein allgemeines Interesse an Geschichten.
Das Märcheninteresse beruht, m.E. eher darauf, dass es etwas ist, was jung und alt und Kulturen miteinander verbindet.
Die meisten Erwachsenen sind mit Märchen aufgewachsen, mit anderen Titeln und geringen Veränderungen gibt es die gleichen Märchen in vielen Ländern.
Sie werden oft im Fernsehen gezeigt, es gibt reichlich Literatur dazu und....und...und...
So wird auch durch die häufige Begegnung damit, das Interesse geweckt.
Lieben Gruss
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Re: Märchen

Beitragvon lilu5-E am Freitag 21. November 2008, 18:51

Hallo, tolles Thema! :D
ich denke, dass Kinder deswegen Märchen mögen, weil die Geschichten in ihrer Struktur auch einfach sehr übersichtlich sind, so das Kinder sie gut verstehen könne. Die Menschen in Märchen sind eindeutig in gut und böse eingeteilt: Der Held/die Heldinn und Anhänger und auf der anderen Seite der Widersacher mit seinen Anhängern. Beide Seiten sind eindeutige Eigenschaften zugeordnet. Auf diese Weise kann das Kind Normen und Werte verinnerlichen, denn es sieht, dass zum Beispiel HInterhältigkeit und Gier (u.a.) nicht zu Gutem führt, dass aber postive Eigenschaften wie Bescheidenheit, Hilfsbereitschaft und Ehrlichkeit, auch Fleiß und wohlwollendes Verhalten sehr wohl positive Folgen hat. Da spielt die Grausamkeit nur eine geringe Rolle für das Kind, denn die Grausamen verlieren ja schließlich. In Märchen siegen ja immer die Guten bzw. die Guten werden am Ende glücklich. Und Kinder identifizieren sich immer mit den Guten.
Ich finde wichtig, Kindern in einem bestimmten Alter Märchen nahe zu bringen. Und es macht ihnen ja auch einfach Spaß. Ich habe in der Kinder- und Jugendpsychiatrie mit Kindern im Grundschulalter gearbeitet und habe einmal die Woche eine Märchengruppe mit ihnen gemacht. Jedes mal ein anderes Märchen mit anschließenden versch. Gestaltungsmöglichkeiten dazu (Malen, Basteln, Szenen nachspielen). Indem man mit den Kindern zusammen das Verhalten der Märchenfiguren (altergemäß) reflektiert, eröffnet sich auch eine gute Möglichkeit, prosoziales Verhalten bei Ihnen zu fördern (durch die Identifikation mit den Guten)

lg ;)

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Re: Märchen

Beitragvon befana am Freitag 21. November 2008, 19:59

Danke für den Einblick, Lilu.
Beim Lesen deiner Antwort ist mir aufgefallen, dass noch nichts über die Altersgruppe erwähnt wurde, für die Märchen gedacht sind.
Irgendwo habe ich mal gelesen, dass sie ursprünglich Erzählungen für Erwachsene waren.
Da aber Kinder immer und überall zugegen waren, wuchsen auch sie mit den Erzählungen auf.
Später wurden sie als Märchen aufgeschrieben.
Leider finde ich den Beitrag nicht mehr.
Nur dies lässt evt. darauf schließen:
Wie die Märchen entstanden sind hat geschrieben:Einer der bekanntesten französischen Dichter des Barock, Charles
Perrault (1628-1703), rezensierte das „Pentamerone“ von Basile
und schrieb daraufhin selber einen Band „Märchen für
Erwachsene“. Darin finden sich wiederum die Märchen
„Dornröschen“, „Rotkäppchen“, „Blaubart“, „Der gestiefelte Kater“,
„Frau Holle“ und „Aschenputtel“.

:arrow: Wie die Märchen entstanden sind

Die Formulierungen sind für Kinder teilweise recht schwer.
Ab welchem Alter denkt ihr, sind sie geeignet und lest ihr sie vor, oder erzählt sie?
Lieben Gruss
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Re: Märchen

Beitragvon Claudia am Freitag 21. November 2008, 20:13

Hallo!

Über das Alter hatte ich schon vor Jahren mal etwas geschrieben..

Claudia hat geschrieben:In Kinder- und Jugendliteratur habe ich auf der Faks folgendes gelernt:
(Natürlich Entwicklung betrachten, und nicht "stumpf" nur aufs Alter schauen ;-), klar. )


ab 3/4 Jahre
Ein-Motiv-Märchen
Aus dem Märchenmotiv entwickelt sich eine schlichte Handlung. Das Geschehen wird hier ohne Umschweife eindeutig erzählt. Z.B. "Die Sterntaler" oder "Der süße Brei"

ab 4/5 Jahre
Ketten-Märchen
Einzelne Szenen werden im Sinne einer Und-dann-Erzählung aneinandergereiht. stehen aber in direktem Zusammenhang mit dem Grundgeschehen.
Z.B. "Hänsel und Gretel", "Die Bremer Stadtmusikanten", "Der dicke, fette Pfannkuchen", ...

ab 5/6 Jahre
Schachtel-Märchen
Also Märchen, welche über mehrere Hauptmotive verfügen, und ineinander verschachtelt sind. Oder sich an unterschiedlichen Schauplätzen befinden, zeitlich nebeneinander herlaufen, ... Also meist recht komplexe Märchen.
Z.B. "Frau Holle", "Der Froschkönig", ...

ab 6/7 Jahre
Helden-Märchen
Heiterem oder ernstem Charakter, eine Vielzahl von Geschehnissen, sowie abenteuerlichen Schauplätzen.
Z.B "Das tapfere Schneiderlein", "Das blaue Licht", ..
Fabel-Märchen: z.B. "Der Zaunkönig und der Bär"
Legenden-Märchen : z.B. "Die Kornähre"
Schwank-Märchen: z.B. "Die kluge Else"
Liebe Grüße!
Claudia
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Re: Märchen

Beitragvon befana am Freitag 21. November 2008, 20:22

Hast du das nun extra für mich rausgekramt? :cool:
Danke... :lol:
Wenn ich es so lese, fällt mir auf, es entspricht meinen Erfahrungen, natürlich auch abhängig von der Entwicklung des einzelnen Kindes.
Lieben Gruss
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Re: Märchen

Beitragvon Claudia am Freitag 21. November 2008, 20:45

Gerne. :D
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Re: Märchen

Beitragvon Angela am Freitag 21. November 2008, 23:22

Ich glaube, dass Märchen auch so gut ankommen, weil es Geschichten sind, die im Kopf der Kinder Bilder entstehen lassen. Die Fantasie darf sich entfalten. Und natürlich werden Märchen gerne mal von Erwachsenen erzählt. Die müssen nicht unbedingt vorgelesen werden, die kennt jeder. Gibt es was schöneres, spannenderes als von der Oma ein Märchen erzählt zu bekommen? Da werden die Erwachsenen auf einmal so geheimnisvoll und zeigen ihren Spaß an fantasievollen Geschichten, wo sonst immer alles so nüchtern begründet wird.

Märchen wie wir sie kennen spiegeln auch immer gleiche Schemata wieder: Gut -Böse, Liebesgeschichten wie sie sich Rosamunde Pilcher zu hunderten schuf. Die Basis ist ganz einfach und dazu kommt ein großes Maß an Fantasie, etwas Erzählkunst und eine kleine Prise Magie - und fertig ist das Märchen.

Ich habe eine Zeit lang Märchen aus aller Welt gelesen. Es ist erstaunlich, dass das Grundprinzip "Aschenputtel" weltweit auftaucht. "Hänsel und Gretel" gibt es auch in vielen Ländern - nur eben mit dort typischeren Figuren und Ausschmückungen.
Besonders heftig finde ich afrikanische Märchen. Da geht es schon wesentlich blutiger zu als bei uns, irgendwie unheimlich.

Ein schönes Thema. :study:
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Re: Märchen

Beitragvon eshackt am Samstag 22. November 2008, 09:01

Ich glaube auch, dass Kinder Märchen gerade wegen der Magie so lieben. Irgendwo habe ich gelesen, dass sie sich alles, was sie nicht verstehen - z.B. Naturphänomene - mit Magie erklären und dass sie keinen Unterschied zwischen belebten und unbelebten Dingen machen. So ist dann z.B. der Tisch, ,gegen den ein Kind ausversehen läuft und sich weh tut, das personifizierte Böse. Die Welt der Märchen ist für Kinder wohl einfach nachvollziehbar.

Aber was haltet ihr z.B. von diesem Märchen der Gebrüder Grimm?

Es war einmal ein Kind eigensinnig und tat nicht, was seine Mutter haben wollte. Darum hatte der liebe Gott kein Wohlgefallen an ihm und ließ es krank werden, und kein Arzt konnte ihm helfen, und in kurzem lag es auf dem Totenbettchen. Als es nun ins Grab versenkt und Erde über es hingedeckt war, so kam auf einmal sein Ärmchen wieder hervor und reichte in die Höhe, und wenn sie es hineinlegten und frische Erde darüber taten, so half das nicht, und das Ärmchen kam immer wieder heraus. Da mußte die Mutter selbst zum Grabe gehn und mit der Rute aufs Ärmchen schlagen, und wie sie das getan hatte, zog es sich hinein, und das Kind hatte nun erst Ruhe unter der Erde.

Es wurde inzwischen aus der Grimmschen Sammlung entfernt...
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Re: Märchen

Beitragvon Angela am Samstag 22. November 2008, 10:45

Hallo!
In der klein&groß 2-3/09 erscheint ein interessanter Artikel über Märchen (von Alexandra Eyrich).
Es geht um die Inhalte und Wirkung von Märchen und das Märchenerzählen.
Kontakt zur Märchenerzählschulung: www.vielfalt-deluxe.de
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