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FSK - sinnvoll oder Unsinn? Alternativen?

Beitragvon Claudia am Dienstag 7. Juli 2009, 22:30

Hallo!

Ich habe mich eben am Telefon mit einem Freund beim Thema FSK in Rage geredet. Wollte nun mal eure Meinung und Erfahrung hören. ;-)

FSK = Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft

Nach meiner Meinung (und der meines Freundes) sind viele Altersfreigaben völlig für die Katz. Beispielsweise Harry Potter 1-2 ab 6 Jahren finden wir nicht angemessen, oder auch über Tintenherz ab 12 Jahren könnte man streiten.
Wichtig zunächst: Es gibt fünf Labels: ab 0 (weiß), ab 6 (gelb), ab 12 (grün), ab 16 (blau) und ab 18/Keine Jugendfreigabe (rot). Wie sinnvoll sind diese Altersprünge gemessen an der kindlichen Entwicklung?

Nun stellten wir uns aber die Frage, wer ist dafür überhaupt zuständig?
Klar, die Politik ist durch die "freiwilligen Selbstzensur" (haha) durch die Verantwortlichen fein raus. Damit ist es ja "geregelt".
Die Interessen von der Filmindustrie dürfte (auch unter dem Aspekt von Merchandising-Produkten) zum großen Teil klar sein.. Eine möglichst niedrige Altersfreigabe müsste deren Ziel sein. Oder sehe ich das falsch?


Ich hab eben mal im Internet gesucht und die Seite von FSK gefunden. Dort war dies zu lesen:

FSK hat geschrieben:Die FSK-Prüfgremien

Über 190 Prüferinnen und Prüfer sind ehrenamtlich für die FSK tätig, der Anteil der Prüferinnen beträgt 45 Prozent. Die Prüfer werden zum einen Teil von den Verbänden der Film- und Videowirtschaft, zum anderen Teil von der öffentlichen Hand für jeweils 3 Jahre benannt. Bei der FSK wird täglich in drei parallel arbeitenden Ausschüssen geprüft. Die Prüfer kommen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen und Berufsfeldern. Unter ihnen sind Journalisten, Lehrer, Psychologen, Medienwissenschaftler, Filmhistoriker, Studenten, Sozialarbeiter, Hausfrauen, Richter und Staatsanwälte. Viele haben Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. (...) Die Entscheidungen werden mit einfacher Mehrheit gefällt; Stimmenthaltung ist nicht möglich. Die Ausschussmitglieder sind in ihren Entscheidungen nicht an Weisungen gebunden. Kein von der Film- und Videowirtschaft benannter Prüfer darf hauptberuflich in einem Unternehmen der Branche beschäftigt sein.

Arbeitsausschuss

Der Arbeitsausschuss als erste Instanz besteht aus sieben Prüfern: aus drei von der Film- und Videowirtschaft und vier von der öffentlichen Hand benannten Prüfern. Diese vier setzen sich zusammen aus dem Ständigen Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden, einem turnusmäßig wechselnden Jugendsachverständigen aus einem der 16 Bundesländer sowie zwei - ebenfalls im Turnus wechselnden - Vertretern der öffentlichen Hand, wie sie in der Grundsatzkommission vertreten ist.
Im Arbeitsausschuss führt der Ständige Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden den Vorsitz. Eine Jugendfreigabe kann auch mit Auflagen erteilt werden. Die antragstellende Firma hat die Wahl, die Auflagen, d.h. Schnitte, durchzuführen oder die nächsthöhere Altersfreigabe zu akzeptieren. Sie kann auch eine geänderte Fassung zur Neuprüfung vorlegen.
(Hervorgebungen von mir)
Quelle: Die FSK heute

Lesenswert ist auch der Punkt: Altersfreigabe - dort werden Kriterien aufgezählt, nach welchen eingestuft werden soll.
Besonders interessant fand ich den Absatz:
FSK hat geschrieben:Mit der Altersfreigabe ist keine pädagogische Empfehlung oder ästhetische Bewertung verbunden. Einen fest gefügten Kriterienkatalog für die Beurteilung der möglichen Wirkungen kann es nicht geben, wohl aber Maßstäbe, die der sachkundigen Auslegung bedürfen. Hierbei ist grundsätzlich das Wohl der jüngsten Jahrgänge einer Altersgruppe zu beachten. Ebenso sind nicht nur durchschnittliche, sondern auch gefährdete Kinder und Jugendliche zu berücksichtigen.

Quelle: Alterseinstufung

Der erste Satz ist super. :autsch: Sehen das auch alle Eltern so? Oder müssen sie sich nicht teilweise (auch) darauf verlassen (können)?
Wird tatsächlich an den "gefährdeten Kindern und Jugendlichen" gemessen? Was meint ihr?

Auch sehr bedenklich find ich dies im FAQ:
FSK hat geschrieben:2. Dürfen Kinder in Begleitung von Erwachsenen Kinofilme mit einer höheren Altersfreigabe ansehen?

Seit dem 01. April 2003 gibt es die Möglichkeit, dass Eltern (nur Personensorgeberechtigte, nicht Erziehungsbeauftragte) mit ihren mindestens 6-jährigen Kindern im Kino Filme sehen dürfen, die mit "Freigegeben ab 12 Jahren" gekennzeichnet sind. In der Praxis kann zum Beispiel ein 10-Jähriger in Begleitung seiner Eltern in den Film "Star Wars" gehen, der erst ab 12 Jahren freigegeben ist. Die Beurteilung, inwiefern 6 - 12-jährige Kinder in ihrer individuellen Entwicklung den entsprechenden Film verstehen und verarbeiten können, wird somit den Eltern überlassen.

Quelle: FAQ

Klar, Eltern müssen es am Ende verantworten (können). Aber hat ein Kind automatisch weniger Angst, weil die Eltern daneben sitzen? Kann mit einem Gespräch - was im besten Fall hinterher stattfindet - alles aufgefangen werden? Wird dadurch die Freigabe nicht auch wieder in Frage gestellt?



So, aber eins find ich tatsächlich auch gut:
Den FSK-Freigaben-Sucher. Dort kann man Filme eingeben und bekommt direkt die entsprechende Alterskennzeichnung.
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Re: FSK - sinnvoll oder Unsinn? Alternativen?

Beitragvon Sophina am Mittwoch 8. Juli 2009, 06:29

An sich würde ich die FSK schon sinnvoll finden, wenn die Damen und Herren Ehrenamtlichen das ganze auch gewissenhaft belabeln würden.

Aber wie Du schon geschrieben hast, es geht den Filmemachern um den ganzen Merchandising-Wahnsinn, der meines Erachtens hauptsächlich die "jungen Teens" erreicht. Da einen Film auf FSK 16 zu setzen, heißt, Millionen verlieren. Also werden Szenen "entschärft", allerdings nur dahin gehend, dass man den Mord oder das spritzende Blut nicht direkt sieht, sondern nur das herunterfahrende Messer und die Leiche hinterher (beispielsweise). Beides ist dann offiziell raus aus der kritischen Zone, nur leider ist die Fantasie der Jugendlichen damit noch längst nicht abgeschaltet.

Das ganze mit den "Kinderfilmen" genauso - Hexe Lilli beispielsweise war ohne Altersbeschränkung freigegeben und obwohl Louisa schon 6 war, als wir den Film angesehen haben, war er deutlich zu gruselig für sie. Aber - das liebe Merchandising wiede...

Dass keine pädagogische oder ästhetische Auswahl getroffen wird von der FSK finde ich ok. Schöner wäre es natürlich, wenn dem so wäre, aber Kino ist ein Unterhaltungsmedium, kein Bildungsmedium, da wäre es etwas viel verlangt in meinen Augen.

Wenn ich mit Louisa ins Kino gehe, lese ich halt vorher, was ich im Internet so über den Film finde und schaue mir die Trailer an. Einiges kann man daraus schon erkennen und bisher ist es auch nur das eine mal bei Hexe Lilli schief gegangen, obwohl wir doch ziemlich oft ins Kino gehen.

Die Verantwortung ist und beibt bei den Eltern, was ich aber auch nicht so schlimm finde, denn an "irgendsoeine" Institution würde ich meine Verantwortung ohnehin nicht abgeben.
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Re: FSK - sinnvoll oder Unsinn? Alternativen?

Beitragvon Claudia am Mittwoch 8. Juli 2009, 09:32

Danke Sophina.

Sophina hat geschrieben:Dass keine pädagogische oder ästhetische Auswahl getroffen wird von der FSK finde ich ok. Schöner wäre es natürlich, wenn dem so wäre, aber Kino ist ein Unterhaltungsmedium, kein Bildungsmedium, da wäre es etwas viel verlangt in meinen Augen.

Okay, ästhetische Aspekte natürlich nicht. Pädagogische Auswahl hatte ich wohl fälschlicherweise in Zusammenhang mit der FSK-Freigabe gebracht - damit entstand für mich ein Widerspruch. Aber so hast du natürlich Recht...

Sophina hat geschrieben:Die Verantwortung ist und beibt bei den Eltern, was ich aber auch nicht so schlimm finde, denn an "irgendsoeine" Institution würde ich meine Verantwortung ohnehin nicht abgeben.

Die Verantwortung nicht. Aber eine klare, passende Entscheidungshilfe eigentlich schon, oder!?
Wie argumentierst du wenn sie beispielsweise 15 ist, einen Film ab 12 (laut FSK) sehen will, du diesen aber noch für absolut ungeeignet findest!? Da kann man dann auch schnell zur bösen Mami werden..
Zur Klarstellung, natürlich würde ich nach meiner Überzeugung erziehen, aber "die Macht" von FSK ist wohl nicht zu unterschätzen.

Und ernsthaft, verlassen sich nicht auch manche Erziehungsberechtigte scheinbar blind auf diese Angaben? Find ich auch gar nicht so verwerflich.. Denn genau diese Hilfe sollte es laut Politik-Gerede auch leisten, oder nicht!?
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Re: FSK - sinnvoll oder Unsinn? Alternativen?

Beitragvon Sophina am Mittwoch 8. Juli 2009, 19:49

Claudia hat geschrieben:Wie argumentierst du wenn sie beispielsweise 15 ist, einen Film ab 12 (laut FSK) sehen will, du diesen aber noch für absolut ungeeignet findest!? Da kann man dann auch schnell zur bösen Mami werden..

Öööööhm, darüber mache ich mir Gedanken, wenn sie 15 ist :D. Mal im Ernst, ich weiß nicht, wie es bei Euch war, aber als ich 15 war, wusste meine Mutter noch nicht mal, dass ich überhaupt im Kino war, geschweige denn, in welchem Film und es war damals schon der eine oder andere FSK18-Film dabei.

Ich würde mir natürlich wünschen, dass es mir in ein paar Jahren nicht genauso ergeht wie meiner Mutter damals, und sollte das der Fall sein, werde ich genauso verfahren und argumentieren wie heute auch: Über den Film lesen, Trailer anschauen, Leute fragen, die evtl. schon drin waren und dann entweder erlauben oder verbieten - böse Mama hin oder her. Heut bin ich böse, weil ich ihr nicht erlaube, Spielzeug mit in die Schule zu nehmen und in 8 Jahren bin ich böse, weil ich ihr manchen Filme verbiete. Als Mutter ist man doch eh immer der Buhmann...

Claudia hat geschrieben:Und ernsthaft, verlassen sich nicht auch manche Erziehungsberechtigte scheinbar blind auf diese Angaben? Find ich auch gar nicht so verwerflich.. Denn genau diese Hilfe sollte es laut Politik-Gerede auch leisten, oder nicht!?

Ich denke schon, dass viele Eltern sich blind auf diese Angaben verlassen, wenn sie ein besonders sensibles oder fantasiebegabtes Kind haben, wird dieser Schuss aber nach hinten losgehen, wenn die Nächte von Alpträumen durchzogen sind. Dann machen sie diesen Fehler möglicherweise nur einmal.
:schaf: Grüßle, Sophina

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Re: FSK - sinnvoll oder Unsinn? Alternativen?

Beitragvon Muchai am Samstag 11. Juli 2009, 08:48

Der (Un)Sinn ergibt sich schon aus dem Namen: die Selbstkontrolle ist freiwillig.

Ich bezweifle, daß eine verpflichtende Kontrolle durch eine unabhängige Instanz am Entscheidungsverhalten der Eltern großartig etwas ändern würde. Vollkommen zahnlos wäre sie, wenn die Filme auf DVD erschienen sind bzw. im Fernsehen gezeigt werden.
Mit pädagogischem Gruß
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