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"Sondereinrichtungen" nur noch in Bayern?

Beitragvon Claudia am Dienstag 27. Februar 2007, 11:23

Hallo :)

Wie sieht es denn so in Deutschland aus?

In Hessen gibt es (bei außerschulischer Arbeit) nur integrative Arbeit/Einrichtungen - was ich sehr befürworte.

In Bayern habe ich noch in einer SVE gearbeitet.

Wie sieht es in DE aus? Was würdet ihr euch wünschen?
Liebe Grüße!
Claudia
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Beitragvon Muchai am Dienstag 27. Februar 2007, 14:54

Hallo Claudia,

ich tue mich mit einer fundierten Antwort schwer, weil ich noch nie in einer integrativen Einrichtung gearbeitet habe. Ich habe eine Integrationsgruppe (Kindergarten) von außen ein wenig kennengelernt, mußte aber aber ein wenig über die Behinderungsbilder schmunzeln: es waren "nur" drei Kinder mit Trisomie 21 in der Gruppe.
Die Kinder und Jugendlichen, mit denen ich es zu tun habe, sind teilweise medizinisch sehr aufwendig. Ich tue mich schwer mit der Vorstellung, daß Integrationseinrichtungen (medizinisch und pflegerisch) diesen Kindern gerecht werden können. Wir haben einige Kinder im Haus, die eigentlich eine 1:1-Betreuung brauchen, was manchmal auch möglich ist (häufig eben auch nicht).

Spezielle Einrichtungen, die sich auf (eine) Behinderungsart(en) spezialisiert haben, sind meistens auch Kompetenzzentren. Das bedeutet, daß neben den Personen im Gruppendienst eben auch Disziplinen wie Logopädie, Ergotherapie, Physiotherapie und Psychologie im Haus vertreten sind.

Ich weiß nicht, wie das in Integrationseinrichtungen gelöst wird. Aber ich stelle es mir schwierig vor, wenn immer wieder Leute von außen ins Haus kommen, um Einzeltherapien durchzuführen.

Ich will jetzt nicht gegen Integrationseinrichtungen argumentieren. Dazu liegt im integrativen Bereich zu viel im Argen, als daß man sich nicht Gedanken machen muß, wie man in Deutschland besser arbeiten kann.
Aber viele Einrichtungen sind gar nicht darauf ausgerichtet, Kinder mit schwereren Behinderungen aufzunehmen. Das fängt bei baulichen Gegebenheiten an (Rampen!) und zieht sich hin bis zu medizinischen Dingen.

Das wichtige Thema Integration kann nur dann angegangen werden, wenn die Rahmenbedingungen geändert werden (und Integration nicht als Einsparungsmittel wie im BayKiBiG betrachtet wird). Teilweise fehlt es an der geistigen Flexibilität (ich schließe mich da mit ein), um sich Gedanken zu machen, wie man Integration konkret umsetzen kann.
Und es wird in meinen Augen immer Kinder und Jugendliche geben, die den Rahmen einer Tageseinrichtung vollkommen sprengen. Das erlebe ich schon in unserer Einrichtung...

Italien soll da wesentlich weiter sein, aber leider habe ich da keinerlei Hintergrundwissen.

Meint Muchai
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Beitragvon Claudia am Dienstag 27. Februar 2007, 15:12

Ich arbeite derzeit wieder in einem integrativen Kindergarten, und finde es wunderbar.

Muchai hat geschrieben:Ich habe eine Integrationsgruppe (Kindergarten) von außen ein wenig kennengelernt, mußte aber aber ein wenig über die Behinderungsbilder schmunzeln: es waren "nur" drei Kinder mit Trisomie 21 in der Gruppe.

Was irritiert dich hier :?:
Integration bedeutet nicht, dass 50% nichtbehinderte Kinder und 50% behinderte Kinder in einer Gruppe sind. :wink:

Muchai hat geschrieben:Spezielle Einrichtungen, die sich auf (eine) Behinderungsart(en) spezialisiert haben, sind meistens auch Kompetenzzentren. Das bedeutet, daß neben den Personen im Gruppendienst eben auch Disziplinen wie Logopädie, Ergotherapie, Physiotherapie und Psychologie im Haus vertreten sind.
Ich weiß nicht, wie das in Integrationseinrichtungen gelöst wird. Aber ich stelle es mir schwierig vor, wenn immer wieder Leute von außen ins Haus kommen, um Einzeltherapien durchzuführen.

Ja, klar. Aber dann muss eben eine größere Vernetzung bei den integr. Einrichtungen geschehen.
Ich finde alle (nichtbehinderte und behinderte) Menschen haben ein Recht auf möglichst gute Integration.

Selbstverständlich müssen auch die Personal- und Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Aber es kann funktionieren!

Über Italien weiß ich leider auch viel zu wenig, müsste mal genauer nachforschen..
Liebe Grüße!
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Beitragvon Muchai am Dienstag 27. Februar 2007, 15:32

Claudia hat geschrieben:Integration bedeutet nicht, dass 50% nichtbehinderte Kinder und 50% behinderte Kinder in einer Gruppe sind. :wink:

Oh, da habe ich mich wohl undeutlich ausgedrückt: ich mußte über die Behinderungsarten schmunzeln. Damit meine ich, daß wir ganz andere Kaliber betreuen...
Aber wie oben schon gesagt: dieser Kiga war die einzige Integrationseinrichtung, die ich bis jetzt von innen gesehen habe.

Claudia hat geschrieben:Selbstverständlich müssen auch die Personal- und Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Die personellen Rahmenbedingungen halte ich nicht für das große Problem. Die Leute sind ja auf dem Markt (bzw. in den speziellen Einrichtungen). Dazu gehört natürlich auch, daß Kindertagesstättengesetze dahingehend umgeschrieben, daß diese Einrichtungen Heilerziehungspfleger/innen und KInderkrankenschwestern beschäftigen dürfen.
Aber ich behaupte, daß 70 Prozent der jetzigen Regeleinrichtungen baulich nicht auf (mehrfach)behinderte Kinder ausgerichtet sind. Aber das lässt sich mit dem entsprechendem politischem Willen ändern...

Im Vorschulbereich lässt sich das vielleicht noch relativ einfach umsetzen. Aber wie sieht es aus, wenn die behinderten Kinder und Jugendlichen älter werden? Normal entwickelte Jugendliche brauchen keine Einrichtung mehr, mehrfachbehinderte Jugendliche (und Erwachsene) werden dagegen zum großen Teil auf spezielle Einrichtungen angewiesen sein.
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Beitragvon Waia am Dienstag 27. Februar 2007, 19:46

Hallo zusammen,

ich kenne nun beide Seiten! Ich habe 3 Jahre in einer Tagesbildungsstätte gearbeitet und habe danach in einer Integrationsgruppe angefangen, dort arbeite ich jetzt seit fast 5 Jahren.

Es ist in der Tat so, dass in den heilpädagogischen Tagesstätten ganz andere Behinderungsbilder vertreten sind. Grundsätzlich kann, darf und muss sogar jedes Kind, egal welche Behinderung es hat, auch in Integrationsgruppen aufgenommen werden!

Ich denke eine Diskussion darf nie in die Richtung laufen, was nun die bessere Einrichtung ist, denn eine Integrationsgruppe ist nicht immer das sinnvollste! Ich war vor kurzem auf einer Fachtagung, dort wurden I-Gruppen mit Sonderkindergärten gegenübergestellt. Ihr könnt das unter http://www.lcv-oldenburg.de/32283.html nachlesen, klickt einfach den ersten Download an.

Es gibt Kinder, für die alleine die Tatsache, dass noch 17 weitere Kinder in der Gruppe sind, zu viel ist! Um nur mal ein Beispiel zu nennen.

Zu uns kommt auch eine Logopädin, eine Ergotherapeutin und das auch schon seit langer Zeit, sie sind den Kindern vertraut. Und bauliche Änderungen können jederzeit finanziert werden, denn bei uns in Niedersachsen gibt es pro Integrationskind im Monat die sog. Sachkostenpauschale in Höhe von 350,- Euro. Dazu können Gelder bei Krankenkassen beantragt werden usw. An solchen Dingen darf man es meiner Meinung nach nicht festmachen. Ebenso können Ktankenschwestern, Pflegedienste mit ins Boot geholt werden.

Es geht darum, dass in einer Integrationsgruppe oftmals Erzieherinnen arbeiten, die zuvor noch nie mit dem Thema Behinderung konfrontiert wurden und nun in dem Bereich arbeiten sollen. Das hatten wir nun schon in einem anderen Thread.
Weiterhin ist es so, dass wir in den I-Gruppen nicht so eine intensive Elternarbeit leisten können, da die Gruppen eben wesentlich größer sind. Und in Punkto Behinderungsverarbeitung sind die Eltern dann etwas sehr auf sich allein gestellt!

Dennoch gibt es Kinder, für die eine Integrationsgruppe gut und sinnvoll ist. Manchmal ist es auch für die Eltern besser, ihr Kind in eine Integrationsgruppe zu schicken, das ist ganz individuell.

Ich habe nun den Vorteil, ich kenne beide Seiten aus eigener beruflicher Erfahrung. Beides hat seine Vor- aber auch Nachteile und man muss individuell schauen, was für das jeweilige Kind das Beste ist.

Es kann nicht Sinn der Sache sein, redikal alle "Sonder-"einrichtungen abzuschaffen, das ist meine Meinung.

Waia
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